Eigentlich ist es genau wie auf der Autobahn. Der Verkehr stockt, aber auf der Nebenspur ziehen die Fahrzeuge vorbei. Also schnell den Blinker gesetzt und rübergedrängelt. Nun bremsen erfahrungsgemäß dort die Autos ab, auf der anderen Fahrbahn wiederum nimmt das Tempo plötzlich zu. Schon wieder in der falschen Schlange.

"So geht es einem Anleger, der seine Investitionsentscheidung danach ausrichtet, welcher Fonds im vorausgegangenen Jahr die beste Performance erzielt hat", sagt Jens Kummer, Leiter der Abteilung Fondsanalyse und Produktmanagement der SEB Invest. "Davon hat er gar nichts." Die Fondsgesellschaft hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen dem Platz im Ranking und dem späteren Abschneiden der Fonds untersucht.

Das Ergebnis: Es lohnt sich nicht, in die Top-Fonds des Vorjahres zu investieren. "Ein Produkt mit einem Top-Ranking ist genauso wenig zum Kauf zu empfehlen wie das Schlusslicht", sagt Kummer. Die meisten Anleger aber handeln anders: In die Fonds, die es an die Spitze der Ranglisten geschafft haben, fließen in der Folge erst einmal große Geldsummen. In den USA erhalten die Fonds, die es in die zwei Top-Kategorien der angesehenen Ratingagentur Morningstar geschafft haben, laut Kummer 80 bis 90 Prozent der Mittel. In Deutschland ist der Anteil der Investitionen in die Fonds auf den vorderen Chartpositionen nicht ganz so groß. Aber auch hier orientieren sich die Anleger an Rankings. Dem DWS Vermögensbildungsfonds I beispielsweise, der Ende der neunziger Jahre eine Outperformance hinlegte, flossen ab dem Jahr 2000 Milliardensummen zu. Von da an schnitt der Fonds klar schlechter ab.

Die Leistung der Spitzenprodukte ist vergänglich. Statistisch betrachtet liegen die Top-Fonds im Folgejahr nur noch im oberen Drittel des Fondsuniversums. Nach drei Jahren pendeln sie sich der SEB-Invest-Studie zufolge häufig bei einer durchschnittlichen oder gar unterdurchschnittlichen Performance ein. Betrachtet man Top- und Flop-Fonds in einem mehrjährigen Zeitraum, ist zwischen ihnen so gut wie kein Unterschied mehr zu erkennen. Lediglich bei Fonds europäischer Nebenwerte hielt die Spitzenperformance über Jahre hinweg an.

Todeskuss für die Besten

Bestätigt werden diese ernüchternden Resultate von einer amerikanischen Studie mit dem so passenden wie plakativen Titel Kiss of Death, die im Herbst vergangenen Jahres erschien. Sie kam zu dem Schluss, dass Fonds, die ein Fünf-Sterne-Rating von Morningstar erhalten hatten, in der Regel drei Jahre später beträchtlich schlechter abschnitten. Der Rat der Experten: Die Top-Note solle im Hinblick auf die Drei-Jahres-Rendite äußerst kritisch betrachtet werden. Ihre Vergabe an einen Fonds käme aus Sicht des Anlegers eben einem Todeskuss gleich.

Gern gesagt, aber auch gern übersehen: Rankings beziehen sich nur auf die Vergangenheit, sind also für Prognosen vollkommen ungeeignet. "Anhand der historischen Performance lässt sich nicht zwischen Glück und Können unterscheiden", sagt SEB-Fondsanalyst Kummer. Die Betrachtung begrenzter Zeiträume im Rückspiegel sei nicht aussagekräftig, sagt auch Reinhard Pfingsten, Leiter Fonds-Konstruktion bei der Deka Investment. Diese verkauft mit dem Deka-Spezial ebenfalls einen ehemaligen Top-Fonds.

Nicht selten schaden die enormen Summen, die die Chartspitzen anziehen, den Fonds. Gerade in engen Märkten, wenn Small Caps oder Nischenfonds schnell wachsen, rät Kummer zur Vorsicht. Je schneller der Fonds groß wird, desto schwerer ist er zu managen, desto größer ist die Gefahr, dass die Performance verwässert. Das viele Geld will investiert werden, die Möglichkeiten aber sind rar gesät, die Gefahr großer Kursschwankungen steigt.