Was war die Stimmung euphorisch, als die Bundesregierung im vergangenen Jahr bekannt gab, Hedge Fonds endlich auch in Deutschland zulassen zu wollen. Angesichts der drei Jahre dauernden Aktienbaisse und niedriger Renditen an den Rentenmärkten versprach die neue Anlageklasse ein Selbstläufer zu werden. Mittlerweile ist von der Aufbruchstimmung nicht mehr viel übrig geblieben. Erst zwei Hedge Fonds – ein Dach-Hedge-Fonds der DWS und ein Single-Hedge-Fonds von Lupus Alpha – haben bislang grünes Licht für den deutschen Markt erhalten. Ein weiterer Dach-Hedge-Fonds von Pioneer Investment wartet auf die Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Fünf Gesellschaften haben laut BaFin den ersten Schritt auf dem zeitintensiven Weg zur Zulassung getan.

"Viele Häuser scheinen noch abwarten zu wollen", sagt BaFin-Sprecherin Sabine Reimer. Und einiges spricht dafür, dass sich auch die Anleger zunächst stark zurückhalten und den Markt für Hedge Fonds aus der Ferne betrachten. Heftigen Gegenwind gibt es vom BCA, dem größten europäischen Zusammenschluss unabhängiger Finanzdienstleister, der Berufsgruppe also, die die Hedge Fonds eigentlich dem Privatinvestor näher bringen sollte. "Dach-Hedge-Fonds sind für die Anleger nur von sehr zweifelhaftem Nutzen", sagt BCA-Vorstand Ferdinand Haas. Es gebe keinen dringenden Bedarf an dieser Asset-Klasse. Die Renditen seien derzeit mau, die Gebührenbelastungen aber oft sehr hoch. Dach-Hedge-Fonds hätten zum Teil Gesamtkosten von sechs Prozent pro Jahr. "Wenn ich die Kosten berücksichtige, die manche der neu auf den Markt kommenden Dach-Hedge-Fonds berechnen, dann sehe ich aus Anlegersicht absolut keinen Grund, solche Produkte zu kaufen", sagt Haas.

Auch das Deutsche Aktieninstitut (DAI) warnt, dass Hedge Fonds nur etwas für sehr vermögende Investoren seien: Für Privatanleger sei es enorm wichtig, "sich dieser für sie neuen Fondskategorie mit aller notwendigen Sorgfalt und vorherigen Analyse zu nähern". Doch der Großteil der Berater in den Bankfilialen ist offenbar noch nicht ausreichend auf die Zulassung der ersten Hedge Fonds für Privatkunden vorbereitet. "Die Qualität bei der Beratung und Vermittlung von Hedge Fonds ist derzeit noch nicht so, wie sie sein sollte", sagt Matthias Schellenberg, Leiter Alternative Investments bei Pioneer. Nicht umsonst bereitet Pioneer Unterlagen und Schulungen für Vertriebsleute in den Banken vor.

Erfahrungswerte fehlen

"Wir haben Sorge, dass die Berater wegen mangelnder Kenntnisse die Kunden nicht richtig über die Risiken informieren können", räumt auch Rolf Dreiseidler vom Bundesverband Alternative Investments (BAI) ein. Abhilfe schaffen soll ein Intensivstudium Hedge Fonds, das der BAI zusammen mit der European Business School (Ebs) in Oestrich-Winkel für Finanzdienstleister anbietet. Die Nachfrage nach dem sieben Tage dauernden und rund 3000 Euro teuren Kurs ist groß. Erfolgreiche Teilnehmer dürfen sich den Titel "Hedge-Fonds-Berater" ans Revers heften. "Die Idee ist nicht schlecht, zumal die renommierte Ebs dahinter steckt", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Das ist allemal besser, als wenn die Berater ihr Wissen nur aus zwei Verkaufsbroschüren haben und dies dann an die Anleger weitergeben."

Wollen sich Anleger zunächst einmal eigenständig über die neuen Produkte informieren, so werden sie einen wichtigen Indikator meist vergebens suchen: den Track Record, also die Leistungen des Fonds und seiner Manager in den vergangenen Jahren. Diese Entwicklung der Performance dient vielen Anlegern als wichtiges, wenn nicht sogar als entscheidendes Kaufkriterium.

Ein kritischer Punkt, der dieses Problem noch verstärkt, ist für viele Beobachter die mangelnde Erfahrung der Fondsmanager in dieser neuen Anlageklasse. "Es gibt nicht viele Manager in Deutschland, die über ausreichende Erfahrung verfügen", sagt Ralf Kolbe, Herausgeber der Fachpublikation D-Hedge. Das sei auch ein Grund, warum selbst die institutionellen Anleger sich wohl erst zurückhalten würden, bis ein entsprechender Track Record existiere. Die Euphorie mancher Marktteilnehmer sei einer Unsicherheit und einer abwartenden Haltung gewichen. "Privatanleger sollten den Managern der neuen Fonds Zeit geben, sich zu bewähren und zu beweisen", rät das DAI.

Der deutsche Markt ist aber nicht nur schlecht auf die neuen Produkte vorbereitet, er macht ihnen auch das Leben schwer. Hedge Fonds profitieren in der Regel davon, dass sie mit ihren Geschäften verdeckt arbeiten können. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung jedoch stellt hohe Anforderungen an die Transparenz der Fonds. Im Sinne des Anlegerschutzes ist dies nachvollziehbar. Je stärker aber Fonds genauestens beobachtet werden, desto weniger lohnt das Geschäft für die Finanzinstitute. Nach Ansicht der Rating-Agentur Morningstar werden sich daher ausländische Hedge Fonds deutschen Dach-Fonds verschließen, um ihren Erfolg nicht zu gefährden.