Sie heißen Espresso-Anleihe, Outperformance-Zertifikat, Turbo-Bull oder Bonus-Zertifikat. Sie sind so vielfältig und zahlreich, dass sich Zertifikate längst den Spitznamen Alleskönner verdient haben. Und in der Tat, mit den mehr als 20000 Papieren in Deutschland kann man fast auf alles spekulieren: auf Sojabohnen, Wasseraktien, auf langsam steigende Aktienmärkte, seitwärts tendierende Anleihekurse oder kräftige Verluste beim Dollar. Auch die Kombination mehrerer Marktentwicklungen ist in einem Zertifikat erhältlich. Die Anbieter der Zertifikate unterteilen das Feld gern in Anlagezertifikate, die auch für die langfristige Anlage geeignet erscheinen, und spekulative Zertifikate, die auf schnelle Ergebnisse und mitunter sehr riskante Wetten setzen. Anything goes.

Das Zertifikat ist die Hülle, in die bestimmte Aktien, Anlagestrategien oder Wetten verpackt werden. Es ist wie bei den Fonds, die auch als Verpackung für chinesische Aktien, asiatische Anleihen oder Wachstumswerte dienen. Allerdings gibt es zwei gravierende Unterschiede: Erstens werden Zertifikate kaum reguliert. Sie sind deshalb viel flexibler; ihre Anbieter dürfen sich an den Terminmärkten frei bedienen und können so interessante, aber auch obskure Konstruktionen zimmern. Sie müssen es nur in den Prospekt schreiben – inhaltlich geprüft wird ein Zertifikat nicht.

Zweitens handelt es sich bei Zertifikaten immer um Anleihen des emittierenden Geldhauses. Im Gegensatz zu traditionellen Schuldverschreibungen werden Zertifikate jedoch am Ende ihrer Laufzeit nicht zu 100 Prozent zurückgezahlt. Ihre Rückzahlung richtet sich nach den Anleihebedingungen, zum Beispiel dem Stand des Aktienindex in fünf Jahren oder der Kursschwankung des verpackten Titels über die Laufzeit hinweg. Der Charme gegenüber den Fonds: Der Emittent trägt das Risiko, dass die Anleihebedingungen erfüllt werden. Beim Fonds dagegen müssen die Anleger die Fehlentscheidungen der Manager ausbaden. Die Gefahr gegenüber den Fonds: Eine Anleihe ist nicht konkurssicher. Geht der Zertifikateanbieter Pleite, ist das Geld weg, ganz gleich, ob die Spekulation aufgegangen ist oder nicht. Bei Fonds handelt es sich dagegen um Sondervermögen, das im Fall einer Pleite nicht in die Konkursmasse fällt.

Die geläufigsten und unsinnigsten Zertifikate werden auf den kommenden Seiten kurz erklärt und analysiert. heu