Mit Rolling-Discount-Zertifikaten übertrifft sich die Zertifikatebranche selbst. Denn das jüngste Anlageprodukt ist nichts anderes als ein Zertifikat auf fiktive Discount-Zertifikate. Alles klar? Die Idee dahinter versteht nur, wer die Optionspreistheorie beherrschen – also wenige.

Ablesbar am Terminmarkt ist zumindest, dass die Prämien für kurz laufende Optionen, deren Basiswert nahe am aktuellen Wert ist, relativ höher sind als für lang laufende. Der Grund: Die Prämie über eine kurze Laufzeit, zum Beispiel über einen Monat, ist zwar, absolut gesehen, niedrig, weil die weitere Entwicklung etwa einer zugrunde liegenden Aktie absehbarer und damit risikoärmer ist. Wer diese Prämie aber zwölfmal in Folge kassiert, schneidet besser ab als mit der Prämie über die lange Laufzeit von zwölf Monaten. Sinnvoll wäre es somit, die Discount-Papiere stets kurz vor ihrem Verfall zu kaufen und sich dann den entsprechenden Geldbetrag oder die zugrunde liegenden Wertpapiere aushändigen zu lassen. Der Basiswert kann im Fall des Geldbetrags sofort, im Fall eines Wertpapiers nach dessen Verkauf ins Depot eingebucht und das Spiel von Neuem begonnen werden.

Aufgrund des hohen administrativen Aufwands und der damit verbundenen Transaktionskosten ist diese Vorgehensweise in der Praxis natürlich wenig sinnvoll. Hinzu kommt, dass der entstehende Gewinn voll steuerpflichtig wäre, da das Investment stets innerhalb der Spekulationsfrist ausläuft.

An dieser Stelle kommt nun das Konzept der Rolling-Discount-Zertifikate zum Tragen: Sie basieren auf einer dynamischen Investmentstrategie, bei der der Emittent im Monatsrhythmus in fiktive Discount-Zertifikate mit einer Restlaufzeit von jeweils einem Monat investiert.

Bei stagnierenden Aktienmärkten kann auf diese Weise Monat für Monat eine Prämie vereinnahmt werden, während sich die Aktien nicht von der Stelle bewegen. Bei fallenden Märkten wird zumindest der Verlust gemindert. mah