Strategie-Zertifikate greifen Anlagestrategien auf. Wie zum Beispiel Investments in besonders dividendenstarke Aktien, in Substanztitel mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis oder in Aktien mit Momentum, mit einer besonderen Kursdynamik in einem bestimmten Zeitraum. Variationen gibt es viele. In regelmäßigen Abständen, also etwa alle drei, sechs oder zwölf Monate, erfolgt dann die Anpassung der zugrunde liegenden Wertpapiere oder Indizes an die gewählte Strategie. So werden bei einer Dividendenstrategie dann die Aktien bestimmt, welche zum jeweiligen Zeitpunkt die höchste Dividendenrendite aufweisen.

Durch die klaren Anpassungs- beziehungsweise Austauschregeln ist jedoch die Flexibilität eines Strategie-Zertifikats wesentlich geringer als zum Beispiel die eines aktiv verwalteten Fonds. Das kann (wie im Übrigen auch bei einem Themen-Zertifikat) besonders dann zu Problemen führen, wenn beispielsweise die Zahl der strategisch ausgewählten Aktien sich mit vielleicht 10 oder 12 relativ klein ausnimmt: Wurde strategisch eine Aktie ausgewählt, die dann plötzlich kräftig an Wert verliert, schlägt das massiv auf die Wertentwicklung des gesamten Zertifikats durch. Diese Erfahrung mussten Anleger machen, deren Zertifikat in die Aktie des amerikanischen Bilanzbetrügers WorldCom investiert war. Ein kurzfristiger Verkauf von WorldCom, nachdem der Skandal ruchbar wurde, war nicht möglich, der Verlust unnötig hoch.

Strategie-Zertifikate kämpfen mit ähnlichen Problemen wie Themen-Zertifikate. Sie kommen meist dann auf den Markt, wenn die Strategie in der Vergangenheit die richtige war. Mithin hat sich gezeigt, dass Modelle, die in der Retrospektive tolle Ergebnisse erbracht hätten, in der Praxis mit viel magereren Zahlen aufwarteten.

Für das Emissionshaus dagegen lohnt sich das Geschäft immer: Die Geldhäuser kassieren bei Strategie-Zertifikaten – wie Investmentfonds – eine Managementgebühr, die durchaus ein Prozent im Jahr und mehr betragen kann. Hinzu kommt noch ein Ausgabeaufschlag von meist ein bis zwei Prozent, der die Performance des Investors entsprechend mindert. rüp