Keine Kundenfilialen. Keine Geldautomaten. Trinkaus & Burkhardt ist keine Bank wie jede andere. Auch der Hauptsitz in Düsseldorf kommt weit weniger pompös daher als die Zentralen manch anderer deutscher Banken. Abweisend ist die bräunlich schimmernde Fassade und weit weniger repräsentativ, als es die noble Adresse an der Königsallee verspricht. Den unscheinbaren Eingang muss man regelrecht suchen. Dahinter liegt ein roter Teppich. Rot ist die Farbe von Trinkaus & Burkhardt und der Mutterbank HSBC, so wie Gelb die Farbe der Commerzbank und Grün die Farbe der Dresdner Bank ist. Wer den Teppich überquert, gelangt zum Empfang.

Willkommen am Werkstor.

Über Rolltreppen oder Fahrstühle kommen die Mitarbeiter ins Innere des Kastenbaus. Sparbücher und Girokonten sind ihre Sache nicht, eher schon reiche Privatkunden, Börsengänge und die Wertpapiere institutioneller Anleger. Im Ranking der Banken liegt Trinkaus in Deutschland nach Bilanzsumme nur auf Rang 62, im Geschäft mit Zertifikaten und Optionsscheinen aber zählt die kleine Bank zu den Großen.

Zertifikate, das sind Finanzprodukte, deren Wert sich meist aus der Kursentwicklung originärer Investments wie Aktien ableitet. Sie sind eine Art Hülle, in der alles Mögliche verpackt werden kann – klassische Aktien eben oder Indizes, aber auch hoch spekulative Terminmarktprodukte wie Futures und Optionen sowie Kombinationen beider Elemente. Ein Beispiel für ersteren Fall sind Index-Zertifikate, die einfach nur die tägliche Entwicklung eines Aktienindex nachvollziehen (siehe Seite 46) . Ein Beispiel für die Ummantelung von Terminmarktprodukten, so genannten Derivaten, sind Turbos, die auf künftige Entwicklungen von Aktien oder Indizes wetten und bei Erreichen bestimmter Knock-Out-Punkte verfallen. Faktisch kommen sie Derivaten gleich (siehe Seite 57) .

Erdacht, produziert und vermarktet werden Zertifikate in Banken. In Abteilungen wie der Equity Derivatives Group von Trinkaus. In Räumen wie dem lang gestreckten Großraumbüro im vierten Stock, das nur durch Stellwände unterteilt wird und im Dunkeln liegt. Braun sind die Wände, Gardinen halten das Tageslicht ab, und unter der Decke leuchtet die Flucht der Neonröhren. Zu sehen sind vor allem viele Bildschirme, dahinter viele Köpfe. Der grün-graue Teppich hat schon viele Schuhsohlen gesehen.

Willkommen in der Fabrik der Zertifikate.

"Manchmal ist es wie in der Formel 1"

Rund 35 Mitarbeiter hat die Abteilung. Etwa 20 davon sind im Handel tätig – Zertifikate können nach dem Initialverkauf an die Anleger von diesen jederzeit wieder verkauft und zu Preisen, die die Bank stellt, gehandelt werden. Inmitten der Kollegen sitzt Bernd Spendig an einem langen Counter aus braunem Holz, viele Monitore im Blick und Kopfhörer im Ohr. Will Spendig entspannen oder den Lärm um sich herum nicht hören, legt er klassische Musik oder auch Alternative Rock von Evanescence in seinen CD-Player ein. Spendig darf das – seine Aufgabe ist es, neue Zertifikate für Privatanleger zu entwickeln. "Man muss kreativ herumspielen. Man muss Freude haben, komplexe Strukturen zu zerlegen und zu entwickeln", erklärt er.