Ob Sonnenuntergang am Bosporus, die Mitternachtssonne am Polarkreis oder Abfeiern am ungarischen Plattensee, ganz gleich, wohin die Reise geht, der Jahresurlaub ist in der Regel seit Monaten gebucht. Mit den Wechselkursen von türkischer Lira, norwegischer Krone oder ungarischem Forint hat sich noch keiner der Urlaubshungrigen beschäftigt. Dabei wäre bei frühzeitiger Planung durchaus das eine oder andere Vergnügen extra drin gewesen. Im Vergleich zum Euro haben sich seit Jahresanfang nämlich alle drei Währungen verteuert. Die Auswirkungen der Wechselkursschwankungen auf das Portemonnaie mögen bei kurzen Urlaubstrips noch unerheblich sein, bei längeren Aufenthalten außerhalb der Euro-Zone machen sie sich aber durchaus bemerkbar.

Wer sich etwa ein Sabbatjahr in Südafrika gönnt oder dem Sprößling ein Auslandsstudium in Großbritannien oder den USA finanziert, für den ist es zweckmäßig, das Wechselkursrisiko zu reduzieren und sich für einen Teil der geplanten Ausgaben bereits frühzeitig mit der entsprechenden Währung einzudecken.

Ein sinnvolles Vehikel stellt der Erwerb so genannter Zins-Zertifikate dar, einer noch relativ jungen Finanzmarktinnovation. Vom Prinzip her funktionieren Zins-Zertifikate ähnlich wie Währungskonten. Jedes Zertifikat sammelt die kurzfristigen Geldmarktzinsen einer bestimmten Währung an, wodurch sich der Preis des Papiers kontinuierlich erhöht.

Bei manchen Zertifikaten, wie beispielsweise das auf den südafrikanischen Rand, locken Sätze von über sechs Prozent pro Jahr. Für den ungarischen Forint werden derzeit gar 11,3 Prozent fällig, und die türkische Lira bringt momentan sogar 17 Prozent pro Jahr. Die jeweils aktuellen Zinssätze finden sich auf der Internet-Seite der holländischen Bank ABN Amro (www.zins-zertifikate.de/kurs.html).

Betrachtet man die dort abgebildeten Sätze, wird schnell deutlich, dass sich Zins-Zertifikate nicht nur zur Kostenabsicherung eines Auslandsaufenthaltes, sondern insbesondere als Anlage- und Spekulationsobjekt eignen. Als Anlageobjekt deshalb, weil die genannten Zinssätze im Vergleich zu entsprechenden Werten für Termineinlagen in Euro oder die Rendite von Bundesanleihen ziemlich hoch ausfallen. Zur Spekulation wird der Erwerb der Papiere dagegen dadurch, dass ihr Preis nicht allein durch die angesammelten Zinsen, sondern gleichzeitig durch die Entwicklung der ihnen zugrunde liegenden Währung beeinflusst wird.

Steigen Rand, Lira oder der australische Dollar im Vergleich zum Euro in den kommenden Monaten weiter an, gewinnt das entsprechende Papier über die Zinsgutschrift hinaus an Wert. Erfolgt jedoch eine Abwertung, was deutlich wahrscheinlicher ist, wie die hohen Zinsen signalisieren, führt dies zu Kursverlusten beim Zertifikat.

Für Erfolg oder Misserfolg der Anlagestrategie entscheidend ist somit, ob das höhere Zinsniveau die bestehenden Abwertungsrisiken hinreichend ausgleicht oder gar überkompensiert. Bei den meisten der angebotenen Währungen war dies über die vergangenen fünf Jahre betrachtet der Fall, wie Sarah Brylewski von der ABN Amro erläutert. "Mit einer Euro-Tagesgeldanlage waren in diesem Zeitraum durchschnittlich gerade einmal 3,5 Prozent pro Jahr an Ertrag zu realisieren. Unter Berücksichtigung der kurzfristigen Zinssätze sowie der Währungsveränderungen hätten sich mit unserem Zins-Zertifikat auf den ungarischen Forint dagegen jährlich 10,5 Prozent verdienen lassen, beim polnischen Z¬oty wären es im Durchschnitt sogar 11,9 Prozent gewesen."

Selbstverständlich müssen überdurchschnittliche Renditen stets mit stärkeren Schwankungen, also höherem Risiko, erkauft werden. Stefan Gresse, quasi der Erfinder der Zertifikate, empfiehlt potenziellen Anlegern deshalb auch, nicht den gesamten Einsatz in ein Papier zu investieren, sondern verschiedene Währungen miteinander zu kombinieren. "Was für Aktien gilt, gilt für Währungen erst recht: Diversifikation ist Trumpf."