„Sparen!“ – „Nein, bloß nicht!“Seite 9/13
ZEIT: Wird es reiche und arme Generationsmitglieder geben?
Bofinger: Natürlich ist das ein Problem. Nur wie reich die künftige Generation insgesamt ist, wie gut es ihr geht, hängt nicht von der künftigen Staatsverschuldung ab. Entscheidender ist der Aufbau von Sach- und Humankapital, sprich eine bessere Infrastruktur und eine bessere Ausbildung. Und hier spart Deutschland zulasten der künftigen Generation. Wer heute für Sparen plädiert, hat die Hausvaterperspektive: Spare, wenn du kein Geld mehr hast. Ich wünsche mir für den Staat jedoch die Unternehmerperspektive. Verschulde dich, wenn du den Ertrag deiner Investition höher einschätzt als den Schuldzins, was bei der Bildung allemal der Fall ist.
Sinn: Einspruch! Die Verschuldung ist eben nicht generationenneutral. Wahr ist, dass es vor allem alte Leute sind, die Staatspapiere besitzen. Die Jungen müssen dann in Zukunft nicht nur deren riesige Ansprüche an die Rentenkasse erfüllen, sondern auch noch deren Ansprüche aus den Schuldtiteln.
Bofinger: Viele Junge werden die Schuldtitel ihrer Eltern erben. Und darauf könnte man auch noch etwas über die Erbschaftsteuer zugreifen.
ZEIT: Herr Bofinger, wie sehen Sie die Bedeutung des Stabilitätspaktes? Inzwischen verstoßen sechs Länder gegen den Pakt…
Bofinger: Das zeigt doch schon, dass an dem Pakt etwas falsch ist.
Sinn: Selbst wenn der Pakt falsch konstruiert sein sollte, wir haben ihn nun einmal unterschrieben. Wenn Europa ein Rechtsstaat ist, dann müssen internationale Verträge eingehalten werden.
- Datum 13.05.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 13.05.2004 Nr.21
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