Was ist das für eine Zeit, die binnen Kurzem gleich drei sehr respektable lyrische Tenöre hervorbringt: Juan Diego Florez, Rolando Villazon und Joseph Calleja. Rassige Südländer allesamt, zumindest dem Klischee nach, und ziemlich gut aussehende junge Männer (wohl ein nicht unbeträchtlicher Teil des Erfolgsrezepts). Gilt Florez als feingliedriger Aristokrat und Belcantist und Villazon als glutäugiger Wuschelkopf, als Mr Bean der Opernbühne, so tritt Joseph Calleja entschlossen in die Fußstapfen eines Luciano Pavarotti.

Der bullige Malteser hat sich für sein Debüt-Album (Decca 475 250) vor den abendlich leuchtenden Sandsteinküsten seiner Heimat fotografieren lassen, halb Latin Lover, halb dem letzten Fan-Club der Blues Brothers entsprungen.

Doch er verfügt auch über einen hellen, leichten, typisch mittelmeerischen und in seinen besten Höhen silbrig glänzenden, offenen Tenor. Die perfekte Stimme für Mozarts Ottavio, für Rossinis Almaviva, für Verdis Rigoletto-Herzog (Partien, die Calleja auch auf der Bühne verkörpert hat, in Brüssel, Covent Garden, Frankfurt, an der Bayerischen Staatsoper, bei den Bregenzer Festspielen). Ein Tenore di grazia mit mehr Kern, mehr Körper als weiland Nicolai Gedda - aber mit weniger Aura, weniger Charisma!

Eine virile Vox angelica im Fadenkreuz zwischen Naivität, Sex-Appeal und heilig-ewigem Wissen. Wie viele Vorschusslorbeeren und schwindelerregende Experten-Belobigungen erntete der 25-Jährige bereits! Seine Smorzature sei "honigsüß", seine Dolcezza herrlich, und überhaupt erinnere er wie kein Zweiter an den legendären Beniamino Gigli ... Warum aber ist Joseph Calleja auf dieser CD nur selten wirklich ganz bei sich?

Zum einen liegt das Problem wohl im Repertoire. Seltsamerweise überzeugt Calleja ausgerechnet in den Partien, die er für sich selbst als (noch) zu schwer erachtet: bei Cilea etwa, in der schmerzlichzärtlichen Liebeserklärung des Maurizio aus Adriana Lecouvreur, im Lamento des Federico aus L'arlesiana.

Umgekehrt proportional gewissermaßen zu seinen aktuellen stimmlichen Möglichkeiten verströmt sich hier Callejas ganze Musikalität, tritt seine unbändige Lust am Phrasieren zutage, glänzt sein Gespür für feinste Farbnuancen. Denn mag er auch noch so jung sein: Der Mann ist ein Stilist.

Bei Verdis Alfredo hingegen (De' miei bollenti spiriti) oder in der Caballetta des Herzogs wirkt Calleja befangen und unter Druck, als müsste er neu beweisen, was er doch längst bewiesen hat. Hier stört dann plötzlich die hektische Gleichförmigkeit seines Vibratos, gerät die Stimme in den Spitzentönen an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.