Gleich und freiSeite 4/4
Mit Blick auf die fortbestehende De-facto-Rassentrennung resümierte 1993 Kenneth Clark, dessen Experimente die Entscheidungsgründe für das Brown-Urteil geliefert hatten, sein Kampf sei eine Serie „glorreicher Niederlagen“ gewesen. Und immer mehr schwarze Eltern gelangten zu der Auffassung, dass es letztlich zweitrangig sei, ob ihre Kinder auf eine schwarze oder eine integrierte Schule gingen, solange sie eine gute Ausbildung erhielten. In den Ghettoschulen der Großstädte kann davon allerdings meist keine Rede sein.
Dennoch war das Brown-Urteil ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Gleichberechtigung der schwarzen Amerikaner. Es entfaltete Wirkungen, die weit über das Schulwesen hinausgingen. In den frühen sechziger Jahren forderte die Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King die weiße Vorherrschaft mit gewaltlosem Protest frontal heraus und zwang den Kongress 1964 zur Verabschiedung eines Gesetzes, das die Rassentrennung im öffentlichen Leben endgültig untersagte. 1967 erklärte der Oberste Gerichtshof schließlich alle Gesetze, die Heirat und intime Beziehungen zwischen den Rassen verboten, für verfassungswidrig, weil sie gegen das Bürgerrecht auf freie Wahl des Ehepartners verstießen. Die Befürchtungen der Rassisten hatten sich erfüllt – Amerika war auf dem Weg, ein wirklich freies Land zu werden.
Der Autor ist Leiter des Zentrums für USA-Studien der Stiftung Leucorea an der Universität Halle-Wittenberg. Mehr zum Thema in seinem Buch:
Manfred Berg: „The Ticket to Freedom. Die NAACP und das Wahlrecht der Afroamerikaner“
Frankfurter Campus Verlag, 2000, 499 S., 69,90 Euro
- Datum 13.05.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 13.05.2004 Nr.21
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