kommentar Braucht man Ethik? Nur, wenn der Anstand fehlt!
Noch ein Nachwort zur Affäre um den Bundesbankpräsidenten – und zur Bank selber
Der Staatsanwalt, so liest man es heute in den Blättern, verhandelt mit Ernst Welteke, ob er gegen eine von ihm zu bezahlende Buße bereit ist, das Risiko eines regelrechten Strafbefehls zu umgehen. Sozusagen wegen Schwarzschlafen Aber diese persönliche Sache wollen wir auf sich beruhen lassen.
Ernster ist jene andere Mitteilung: Die Bundesbank hat einen Ethik-Beauftragten eingesetzt! Wozu das? Gewiss, um in Grenzfällen zu raten und zu entscheiden. Aber wozu braucht man dafür einen Ethik-Beauftragten? Wissen denn Leute, die es bis zum Vorstand der Bundesbank gebracht haben, nicht von selber, was sich gehört und was nicht? Brauchen wir bald überall Ethikbeauftragte am Ende sogar in den Redaktionen? Gut, dieser Ethik-Beauftragte soll wohl nur in Grenzfällen entscheiden. Aber besteht der natürliche Anstand nicht einfach darin, sich von gefährlichen Grenzsituationen beizeiten fernzuhalten. Ein Ethikbeauftragter in der Nachfolge der Affäre Welteke wäre doch nur dann sinnvoll und notwendig, wenn sich auch die anderen Vorstandsmitglieder der Bundesbank künftig zumindest in Gefahr und damit in die Situation potenzieller Begehrlichkeit begäben. Einen Ethik-Beauftragten überhaupt einzusetzen zeigt also in Wahrheit die grundsätzliche Bereitschaft an, diese Grenzfälligkeit zumindest als Phänomen hinzunehmen und sie nur zügelnd, beratend zu begleiten anstatt von allen zu verlangen, man solle sich, bitte schön, von vornherein so klug verhalten, dass man weder ein ethisches Kindermädchen noch einen beauftragten Anstandswauwau braucht.
Ich gebe ja zu, manchmal ist es schwierig, herauszufinden, was man in einer bestimmten Situation tun soll. Aber noch immer habe ich unfehlbar gewusst, was ich lassen sollte. (Ob ich immer auch danach gehandelt resp. unterlassen habe das wollen wir an dieser Stelle der Diskretion des Beicht-, wenn nicht gar des Bankgeheimnisses überlassen.) Die Briten haben für all dieses einen schönen Ausdruck: Its not done Man tut so etwas halt nicht. Geschieht es doch, gibt es zwar die fällige Sanktion aber niemals die Ausrede: Der Ethikbeauftragte war gerade nicht erreichbar.
- Datum 15.04.2004 - 14:00 Uhr
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