Wolfgang Urban kann gehen. Der Vorstandsvorsitzende des KarstadtQuelle-Konzerns legt sein Amt zum Monatsende nieder, aus "gesundheitlichen Gründen", wie es offiziell heißt. Aber das ist bloß das Feigenblatt. Es drohen Verluste im operativen Geschäft, nachdem Umsatz und Gewinn schon im vergangenen Jahr massiv gesunken waren. Das kostet den 58-Jährigen jetzt den Job.

Neuer Mann an der Spitze ist Christoph Achenbach, bislang im Vorstand für den Versandhandel verantwortlich. Der Betriebswirt gilt als enger Vertrauter des Schickedanz-Clans, der seit der Fusion seines Quelle-Imperiums mit Karstadt größter Aktionär des gemeinsamen Konzerns ist. 15 Jahre lang diente Achenbach der Familie in verschiedenen Ämtern. Seine Berufung ist auch ein Zeichen dafür, dass die Versandhändler innerhalb des Konzerns die Zügel straffen. Aus KarstadtQuelle wird QuelleKarstadt.

Zuerst muss Achenbach den Laden entrümpeln. Urban hat ihm eine Reihe fragwürdiger Beteiligungen und Kooperationen hinterlassen, unter anderem am Fernsehsender DSF und an diversen Fitnessstudios. Die von KarstadtQuelle kostenlos verteilten Kreditkarten bringen kaum Geld - das Bonusprogramm HappyDigits liefert Kundenprofile, die sich bislang - im Gegensatz zur Konkurrenz - nicht gewinnbringend nutzen lassen.

Auch innerhalb des Konzerns gibt es viel zu tun: Die vier Sparten Einzelhandel, Versandhandel, Dienstleistungen und Immobilien zum Beispiel drehen sich seit Jahren im Kreis. So musste der Bereich Einzelhandel die konzerneigenen Warenhäuser von der Immobiliensparte mieten. Folge: Die Immobiliensparte feierte Mieteinnahmen, der Einzelhandelsableger beklagte Ausgaben, und für den Konzern insgesamt war alles bloß ein Nullsummenspiel, das die Aufmerksamkeit vom größten Problem ablenkte. Das Warenhaus ist eine Vertriebsform von vorgestern.

Ganz gleich, ob Brot, Kochtöpfe oder Hosenanzüge - die Verbraucher decken den Grundbedarf heute bei Discountern und befriedigen ihre Luxuswünsche bei Spezialisten. Warenhäuser stehen genau dazwischen: Sie sind einerseits zu teuer und andererseits nicht exklusiv genug. Das weiß der neue Chef Achenbach, und er wird KarstadtQuelle möglicherweise stärker entrümpeln, als es die rund 100 000 Mitarbeiter ahnen. Ein Szenario ist, dass Achenbach einen Großteil der Warenhäuser verkauft. Die Metro scheidet als Abnehmer wohl aus - warum sollte sie ihren Kaufhof-Filialen selbst Konkurrenz machen? So wird dem Neuen nichts übrig bleiben, als zu versuchen, die vielen unprofitablen unter den Warenhäusern einzeln loszuwerden. Eine Mammutaufgabe - aber Quelle wäre mit weniger Karstadt besser dran. Wenn es Achenbach dann noch gelänge, den auf Deutschland fixierten Handelskonzern international zu etablieren, hätte er im Sinne seiner Großaktionäre sicherlich gute Arbeit gemacht.