Wer wird künftig der wichtigste Lobbyist aller deutschen Ärzte sein? Der Antwort auf diese Frage ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) Anfang der Woche ein Stück näher gekommen: Denn Werner Baumgärtner, einer der hoch gehandelten Kandidaten, gab auf. Anlass für diesen Schritt war die seit 1997 währende Diskussion um einen neuen Honorarkatalog. Zum Jahreswechsel soll der "einheitliche Bewertungsmaßstab" endlich renoviert in Kraft treten.

Doch beim Ärztetag in Bremen hatten sich die Gemüter darüber noch einmal so heftig erhitzt, dass Baumgärtner sein Amt im KBV-Vorsitz niederlegte.

Das Ganze ist deshalb von weitreichender Bedeutung, weil sich die Ärzte mitten im Wahlkampf befinden. KBV-Chef Manfred Richter-Reichhelm, einer der mächtigsten Lobbyisten der Republik, hat signalisiert, dass er keine Wiederwahl anstrebt. Im März kommenden Jahres wird ein Nachfolger gekürt, und Baumgärtner galt lange Zeit als Kandidat für den Posten. Doch am Montag sagte er: "Für eine Nachfolge stehe ich nicht zur Verfügung." Das erhöht die Chancen von Leonhard Hansen, der als Vizechef der KBV ebenfalls seit langem für den Spitzenposten im Gespräch ist. Dass er sich bisher weniger um Honorare und mehr um Diabetes- und Brustkrebsprogramme und andere inhaltliche Dinge kümmerte, könnte sich als Vorteil erweisen. Allzusicher sein darf sich der Allgemeinmediziner aus der Aachener Provinz allerdings nicht, denn wie gesagt, die Ärzte sind streitbar ...