Frau Hendricks, seit 25 Jahren sind Sie Elternvertreterin. Wer ist Ihnen mehr auf die Nerven gegangen: Lehrer oder Eltern?

Keiner von beiden. Ich habe Eltern in wirklicher Not erlebt, in totaler Verzweiflung, weil sie sich in Konflikten der Schule nicht erwehren konnten. Und ich habe Lehrer erlebt, die völlig beratungsresistent waren, kein Interesse an Schülern hatten und nicht in Schulen gehören. Die waren lästig. Aber mein Gefühl war: Denen muss man helfen, die kommen mit dem System nicht klar.

Warum können Eltern und ihre Vertreter sich in der Schule so oft nicht durchsetzen?

Das Schulsystem sieht Eltern als Partner gar nicht vor. Elternarbeit ist größtenteils eine Alibiveranstaltung, die Eltern ruhig stellen soll. Es gibt in unserer Schule keine Kultur des Miteinanders, der gegenseitigen Beratung, des Vertrauens.

Wollen Eltern überhaupt eine schulpolitische Vertretung? Möchten die meisten nicht einfach ihr eigenes Kind irgendwie durchbringen?

So ist es. Die Schule ist ein System, in dem Eltern mit ihren Kindern gemeinsam ums Überleben kämpfen. Und die Lehrer sind die Mächtigeren. Sie machen den Unterricht, und sie vergeben die Zertifikate, die über Wohl und Wehe der Kinder und ihrer Lebenswege entscheiden. Das übt einen enormen Anpassungsdruck aus. Wenn es zum Schwur kommt, verbünden sich deshalb Eltern oft mit dem Lehrer – gegen Elternvertreter.

Es ist also reibungsloser, sich aus Elternarbeit rauszuhalten – und auf Nachhilfe zu setzen?