Jeder rechnet anders, und falsch rechnen immer die anderen – so lautet meist die Antwort, wenn die Börsenbetreiber nach ihren Marktanteilen gefragt werden. Frankfurt rechnet gerne in milliardenschweren Umsätzen, kommt auf 98 Prozent und verteilt die restlichen Brosamen an die regionale Konkurrenz. Stuttgart nimmt die Zahl der Orders und argumentiert, dass die Makler nicht am Volumen der einzelnen Order, sondern an deren Anzahl verdienen. "An der Orderzahl lässt sich die Attraktivität eines Handelsplatzes für Privatanleger am besten ablesen", sagt der Chef der Stuttgarter Börse, Andreas Willius.

So gerechnet, kam Xetra im Jahr 2003 auf gut 76 Prozent Marktanteil, der Frankfurter Parketthandel auf rund 14 Prozent, und der Anteil der Regionalbörsen stieg auf 10 Prozent. Eine Berechnungsweise, die eine Frankfurter Börsensprecherin selbstredend für "völlig unseriös" hält.

Wichtig beim Statistikdesign ist auch die Frage, ob Teilausführungen herausgerechnet werden oder nicht. Daher geben auch die Börsenbetreiber, die mehr Teilausführungen haben, ihren Marktanteil gerne auf Basis der abgewickelten Geschäfte und nicht der erteilten Orders an, weil sich dabei ein einziger Auftrag in zwei, drei oder noch mehr abgewickelte Geschäfte verwandeln kann. So etwa in Berlin-Bremen, wo nach abgewickelten Geschäften der Marktanteil für 2003 im maklergestützten Handel ohne Xetra bei 4,6 Prozent liegt. Bezogen auf die Zahl der Orders, liegt Berlin-Bremen zwar immer noch hinter Frankfurt und Stuttgart auf Platz drei, aber nur noch mit 2,6 Prozent Marktanteil.

Doch den dritten Platz beansprucht laut ihrer Pressemitteilung eigentlich die Börse Hamburg-Hannover für sich. Das stimmte zumindest für die ersten drei Quartale 2003 – allerdings nur nach Umsatz. Bezogen auf die Orderzahl von 224000 im Gesamtjahr 2003, belegt Hamburg-Hannover mit einem Marktanteil von einem Prozent im maklergestützten Handel den letzten Platz. Vorletzter wäre bei dieser Berechnung Düsseldorf mit rund 1,5 Prozent, den vierten Platz belegt München mit 2,1 Prozent. Doch Düsseldorf wirft bei der Bekanntgabe der Zahlen seinen Xetra-Anteil in die Waagschale und liegt dank der elektronisch weitergeleiteten Aufträge und des Umsatzvolumens als Berechnungsbasis mit 136 Milliarden Euro Jahresumsatz noch weit vor Stuttgart.

Und so gibt es nur Gewinner. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und den Börsianern Verschleierung vorwirft.

Thomas Hammer