Der Weltrekord ist den Schweizern sicher. In einem Jahrzehnt werden sie Zugreisende durch ein 57 Kilometer langes Loch von Nord nach Süd befördern. Sie könnten also zufrieden sein. Beste Tunnelbauer, beste Hochseesegler, bester Tennisspieler, beste Nichteuropäer Europas. Aber im Land der Schweizer herrschen "Kantönligeist" und Basisdemokratie bis in die Zehen. Jede Gruppierung, jeder Kanton kann jede Frage aufwerfen. Es ist gewährleistet, dass alle politischen Gremien darüber diskutieren müssen – was die Entscheidungsfindung selten beschleunigt.

Fünf Jahre nach Baubeginn ist nicht geklärt, wo das Nordportal des Gotthardtunnels stehen wird. Die Urner, auf deren Gebiet das Loch einst anfangen sollte, sind besorgt wegen des Verkehrslärms. Im Juni wird daher im Schweizer Parlament über Investitionen verhandelt, um den ganzen Kanton Uri untertunneln und das Portal nach Norden verschieben zu können. Mit der Verlängerung plus Axentunnel käme man auf 75 Kilometer. Das ist nicht das Ende! An Uri grenzt der nächste Kanton. Die Schwyzer verlangen die Unterquerung des Felderbodens und einen Urmibergtunnel. Macht 85 Kilometer. Bevor ihr Rekord steht, sind die Eidgenossen schon dabei, ihn zu verbessern. Ein Innovationsschub mit Folgen. An Schwyz grenzt im Norden Zürich. Wollen auch noch die Schaffhauser untertunnelt sein, landet der Weltrekord bald bei den Deutschen. Urs Willmann