Amerikanische Umweltschützer gehören zu den härtesten Gegnern der Bush-Regierung, und die Administration reagiert jetzt auf die Kritik: Sie verklagt Greenpeace. Am Montag begann in Miami ein Verfahren gegen die Umweltschützerorganisation, das von zahlreichen amerikanischen Prominenten wie dem Exvizepräsidenten Al Gore als "bizarr" gescholten wird. Im April 2002 hatten zwei Greenpeace-Aktivisten vor der Küste Floridas ein Schiff geentert, das nach ihren Angaben illegal abgeholzte Mahagoni-Baumstämme vom Amazonas transportierte, und in klassischer Greenpeace-Manier ein Protestplakat aufgehängt. Wie üblich wanderten die sechs Demonstranten für ein Wochenende ins Gefängnis und danach wieder in die Freiheit. Doch 15 Monate danach flatterte der Greenpeace-Zentrale in Washington zusätzlich eine Anklage durch Bushs Justizminister John Ashcroft auf den Tisch: Er beruft sich auf ein obskures Gesetz aus dem Jahr 1872 gegen die "Werbung bei Seeleuten", das einst Kneipen- und Bordellbesitzern das Borden von Schiffen und jede Art von Werbung für ihre Dienste verwehren sollte. Wenn Richter und Jury das Gesetz anwendbar finden, wird es ernst für Greenpeace USA. Neben einer Geldstrafe droht eine "Bewährungfrist" von fünf Monaten, in der ihr die Einnahme steuerfreier Spenden untersagt ist. Organisationen auf "Bewährung" werden außerdem peinlich genau von den Behörden überwacht. "Bei jeder künftigen Aktion würden die Strafen dann deutlich härter ausfallen", sagt eine Sprecherin. "Es würde unsere Arbeit lähmen".