Ostwärts gehen derzeit die Hoffnungen der Händler von Antiquitäten und zeitgenössischer Kunst. Bei den großen internationalen Auktionen treten immer häufiger russische Käufer auf den Plan. Der Rückkauf von neun Fabergé-Ostereiern für rund 80 Millionen Euro durch den Geschäftsmann Viktor Vekselberg mag zwar eine Ausnahme sein, dennoch hat er etwas Symptomatisches.

Christie's verkaufte im Jahr 2003 an russische Kunden allein Juwelen im Wert von sieben Millionen Dollar. Auch Gemälde des 19. Jahrhunderts und Silber mit russischer Provenienz sowie Orden sind bei der neuen Klientel besonders beliebt. Im Trend liegt auch das Wiener Dorotheum mit seiner Auktion von Zarensilber am 24. Mai.

Bereits im März ersteigerte dort ein Sammler aus der Ukraine ein Paar kobaltblaue imperiale Vasen aus dem späten 19. Jahrhundert für 26 800 Euro, für knapp die Hälfte ging ein französisches Prunkvasen-Duo nach Moskau.

Ebenfalls in die russische Hauptstadt ging das Gemälde Einzug Napoleon Bonapartes 1806 durch das Brandenburger Tor von Heinrich Anton Dahling - für sensationelle 168 000 Euro.

Auch beim dänischen Marktführer Bruun Rasmussen griffen im Februar solvente russische Sammler zu: Sie holten Gemälde aus dem 19. Jahrhundert von Nikolaj Bogdanoff-Bjeslkij, Fedor Wasilewitch Sychkow und Ivan Konstantinowitch Aiwasowskij zurück ins Heimatland, für Preise von 12 000 bis 92 000 Euro. Die Branche frohlockt: "Die Russen sind die neuen Japaner." Nun sollen sie auch verstärkt vor Ort hofiert werden. Erstmals findet The Moscow World Fine Art Fair (31. Mai bis 7. Juni) in der Regie des Schweizers Yves Bouviers statt, der viele Ausstellungen russischer Museen in Europa lancierte und sich so als Devisenbeschaffer viele Freunde machte. Im Palais Dolgorukow stellen 25 namhafte europäische Kunsthändler und Galeristen aus, darunter Segoura und Aveline-Rossi aus Paris, dazu Marlborough aus London und die Galerie Neuse aus Bremen.

"Ein waghalsiges Abenteuer", sagt Neuse-Partner Volker Wurster. Das fängt schon beim Transport an. Die kostbare Fracht wird in Helsinki zusammengeführt, dann durch eine finnische Spedition mit der Fähre nach St.

Petersburg verschifft und anschließend, von einer Polizei-Eskorte begleitet, 300 Kilometer über Land nach Moskau gefahren. Neuse hat bereits Kunden in Russland und kann in etwa einschätzen, was dort gefragt ist: hochwertige Objekte mit russischem Hintergrund.