DIE ZEIT: Viele Kinder sind fett, viele Lebensmittel sind fettfrei. Wie passt das zusammen?

Künast: Kinder haben heute einen anderen Lebensstil als in den achtziger Jahren. Sie bewegen sich viel weniger, gleichzeitig ist das Angebot an Essen immer größer geworden. Das bringt die Energie-Balance durcheinander.

ZEIT: Was soll das heißen?

Künast: Ich bin jetzt 48. Als ich Kind war, hat man nur gegessen, wenn man Hunger hatte. Heute begegnet einem Essen überall und ständig. Pommesbuden hier, Kebap-Buden da. Man kann an keiner Supermarktkasse mehr stehen, ohne auf Schokoladenregale zu blicken. Um da zu widerstehen, braucht man Selbstdisziplin - als Erwachsener und erst recht als Kind.

ZEIT: Warum sollte man denn widerstehen? Auf den Packungen steht doch meist, es seien Vitamine drin oder "das Beste aus der Milch".

Künast: Werbung ist meist schöner Schein. Es werden Produkte als vitaminreich angepriesen, die so viele Kohlehydrate enthalten, wie man zur Vorbereitung eines Halbmarathons braucht. Das deutsche Lebensmittelrecht kann da einige Grenzen setzen, aber Nahrungsmittel sind längst keine nationalen Produkte mehr.