Die gefälschten Irak-Fotos im Daily Mirror werden in Britannien gern als größte journalistische Blamage seit den fabrizierten Hitler-Tagebüchern bezeichnet. Doch der Vergleich hinkt. Die Tagebücher machten nur die Verantwortlichen zum internationalen Gespött. Die Bilder, die das britische Massenblatt veröffentlichte, dazu noch höchst profitabel rund um die Welt vermarktete, könnten tödliche Wirkung entfalten. Die Racheschwüre in der islamischen Welt müssen bitterernst genommen werden.

Wie konnten journalistische Profis auf die dubiosen Fotos hereinfallen, wo doch selbst bei Laien sogleich Zweifel an ihrer Authentizität aufkeimten? Die Antwort verweist auf einen bedenklichen Trend, der nicht nur Großbritanniens hektische Medienindustrie erfasst hat: Wo Kampagnenjournalismus und kommerzieller Druck zusammenfallen, leidet der demokratische Diskurs.

Der Mirror, dessen Auflage kontinuierlich fällt, war wild auf einen Scoop.

Umso besser, dass dieser hier nahtlos zur Antikriegslinie des Blattes passte.

Der Irak-Krieg war falsch, also mussten die Fotos echt sein. Ähnlich das Motiv jener BBC-Redakteure, die im vergangenen Jahr den unzutreffenden Bericht ausstrahlten, der die Londoner Regierung der absichtlichen Lüge bezichtigte. Den journalistischen Gegnern des Krieges genügten sachliche Argumente nicht, die sie anführen können. Sie wollten ihre Widersacher moralisch denunzieren.