Tänzer sind keine Schauspieler, sie verfügen weder über die Fähigkeit zum fein berechneten Gesichtsausdruck noch zur täuschend echten Gebärde. Schließlich müssen sie ihre Rollen nicht verkörpern, sondern mit einer gewissen opernhaften Künstlichkeit zelebrieren. - Wie macht man aus diesen widersprüchlichen Darstellungsstilen einen stimmigen Tanzfilm? Indem man Schauspieler findet, die tanzen können (Fame), oder fürs Spielen Schauspieler und fürs Tanzen Tänzer engagiert (Beat Street) oder sich eine Schmonzette ausdenkt, von deren Protagonisten hauptsächlich schmissiges Betragen verlangt wird (Dirty Dancing). Robert Altman hat keine dieser Varianten gewählt und leider trotzdem einen Tanzfilm gedreht: The Company - Das Ensemble. Er zeigt die Tänzer des Chicagoer Geoffrey Ballet bei dem, was Tänzer eben so tun: in Umkleideräumen rumsitzen, auf Freilichtbühnen auftreten, um Solorollen konkurrieren, an Lampenfieber leiden, Rührei braten. Weil dies kein Dokumentarfilm ist, gehören auch ein paar Schauspieler zum Ensemble, außer der balletterprobten Neve Campbell gebärden sie sich aber äußerst unbeholfen bei dem Versuch, genretypisches Personal abzugeben. Es gibt nämlich nichts, woran sie sich festhalten könnten: keine soliden Dialoge, keinen rechtschaffenen Plot. Ziellos schlingern sie von einer Probenaufnahme zur nächsten. Wo Altman uns Einblick in die restriktive Welt der traditionellen Compagnie verschaffen könnte, speist er uns mit einem albernen Bühnenlächeln ab. Wo er das Verlogene des Tanzbetriebs aufdecken müsste, tappt er blind auf Premierenpartys herum. Küsschenküsschen! Ein traurigerer Kontrast zu seinen Gesellschaftssatiren The Player, Short Cuts und Cookie's Fortune ist kaum denkbar. Wenn Stephen Daldry mit Billy Elliot bewiesen hat, wie viel Wirklichkeit in einem fiktiven Tanzfilm vorkommen kann, dann zeigt Altman, wie weltfremd es ist, echte Tänzer zu filmen, ohne zu wissen, warum.