Roman Schön schwerSeite 2/2
Der Roman ist mit mäßiger Beachtung 1993 im Deutschen, im Berliner Byblos Verlag erschienen und kommt nun in einer guten, leicht überarbeiteten Übersetzung noch einmal bei Rowohlt heraus, wo Middlesex, der epische Riesenroman, im vergangenen Jahr Triumphe feierte. Middlesex mit The Virgin Suicides zu vergleichen drängt sich förmlich auf. Middlesex wird bekanntlich von einem Hermaphroditen erzählt, der bis zum 14. Lebensjahr als Mädchen heranwächst, um dann, in schockhafter Erkenntnis seines männlichen Chromosomensatzes, als Junge und Mann weiterzuleben. So, wenn auch in eine Parabel gefasst, ist es auch bei den Lisbon-Mädchen und den spionierenden Jungen. Jene sterben. Diese überleben und erzählen am Ende.
Man hat von Jeffery Eugenides oft gehört, wie er in langen Kaffeehausgesprächen mit seinem Kollegen Jonathan Franzen in den neunziger Jahren dazu kam, der Postmoderne à la Virgin Suicides adieu zu sagen und zu einem homerisch ausladenden Realismus à la 19. Jahrhundert überzugehen. Was sich in Middlesex auf gut 700 Seiten niederschlug: ein historischer Wälzer, der eine Odyssee über zwei Kontinente, fünf Generationen, jede Menge Sachgebiete verdaut. Hier, in The Virgin Suicides das Gegenteil: Die künstliche Fixierung auf einen einzigen Schauplatz und dessen so monströse wie berechnete symbolische Aufquellung. Was einem solchen Roman vorzuhalten wäre, ist sein Perfektionsgeist. Sein Auftreten als Kunstwerk, das über den Rahmen des brillant Gekonnten nicht hinausgeht.
Jeffrey Eugenides: Die Selbstmord-Schwestern Roman; aus dem Englischen von Mechtild Sandberg-Ciletti, durchgesehen von Eike Schönfeld; Rowohlt Verlag, Hamburg 2004; 250 S., 17,90 ¤Die Selbstmord-SchwesternRomanBelletristikenglischRoman; aus dem Englischen von Mechtild Sandberg-Ciletti, durchgesehen von Eike SchönfeldJeffrey EugenidesBuchRowohlt2004Reinbek17,90250Mechtild Sandberg-Ciletti- Datum 19.05.2004 - 14:00 Uhr
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- Serie belletristik
- Quelle (c) DIE ZEIT 19.05.2004 Nr.22
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