Roman
Eine Nomadin des Herzens
Eine Begegnung mit der 85-jährigen Doris Lessing im windumtosten Hampstead
Ein scharfer Wind geht über Hampstead Heath. Jagt Wolkenfetzen über reines Azur, fegt sämtliche Unschärfen über dem Hügel im Norden Londons fort und treibt erstaunliche Farben hervor: Das englische Klima ist nicht etwa schlecht – es ist wetterwendisch, windbetrieben.
Der Wind über Hampstead Heath ist nicht jedermanns Sache. Als Walter Gropius 1934 in Hampstead seine Exilwohnstätte bezog, schrieb er: „Eine vernünftige Heizung ist in England ziemlich unbekannt, scharfer Luftzug ist, als angeblich bazillentötend, geradezu organisiert.“
Auch 15 Jahre später, als Doris Lessing in London einwanderte, war die Heizungsfrage nicht fortgeschritten. Aber anders als Gropius dürften die heftigen windfarbenen Tage tröstlich für die in Südrhodesien aufgewachsene britische Schriftstellerin gewesen sein, der anfangs alles grau und abweisend erschien. „1949 war London noch völlig kriegszerstört“, sagt sie, „die Häuser hässlich, nicht mehr verputzt und gestrichen, das Essen rationiert. Alles war kalt, lieblos, ungemütlich.“ In ihrem Buch In Pursuit of the English erzählt sie zehn Jahre später von ihrem schwierigen Start in London und erinnert sich an eine Szene, als sie auf einer ihrer vielen Wohnungssuchen – alleinerziehend, ohne Geld – plötzlich ein Geräusch hört, das sie an den Grillengesang im afrikanischen Veld denken lässt: Es stammt von einem Mann, der inmitten der Trümmer auf sauber gestapelten Steinen sitzt, vor sich auf einem kaputten Träger eine Schreibmaschine, und schreibt.
Als Doris Lessing in ihrem dreißigsten Jahr nach London kam, hatte sie an der Hand einen zweieinhalbjährigen Sohn und im Gepäck das Manuskript ihres ersten Romans The Grass is Singing. Hinter ihr lagen eine Ehe mit Frank Wisdom und eine zweite mit dem deutschen jüdischen Emigranten Gottfried Lessing, die in London lediglich als Arrangement der gemeinsamen Elternschaft fortgeführt werden sollte. Hinter ihr lagen eine Jugend im südrhodesischen Busch und später die kommunistische Initiation: ein Keim, der sich entfalten würde.
In Hampstead lebten damals etliche deutschsprachige Emigranten. Elias und Veza Canetti, Ernst Toller, Sigmund Freud, Walter Gropius sind nur die bekanntesten derer, die ihr unfreiwilliges Quartier in dem sanft hügeligen, baumbestandenen Teil des Londoner West End bezogen hatten. In den Straßen voller schöner, ausladender Jahrhundertwendehäuser soll so selbstverständlich deutsch gesprochen worden sein, dass ein Emigrant, der seinen deutschen Arzt in einem mehrstöckigen Haus ohne Klingelschilder suchte und laut „Herr Professor“ rief, alle Fenster sich habe öffnen sehen. In einem dieser großen Häuser in Hampstead spielt – wiederum 10 Jahre später, in den 1960er Jahren – Doris Lessings letzter Roman The Sweetest Dream – Ein süßer Traum.
Die wirkliche Doris Lessing sucht man in einem dieser großen Häuser von Hampstead vergeblich. Ihres ist bescheiden; in West Hampstead gelegen und aufgehoben in der Anonymität einer jener langen Reihen zierlicher weiß gepinselter Häuser aus dem vorletzten Jahrhundert, mit Erker, Vorgarten und zwei Stockwerken. Doris Lessing bezog es 1980. „Dieses Haus bedeutet Angekommensein. Wenn man jünger ist, packt man Bücher und Kleider in einen Koffer, und das war’s. Man ist immer unterwegs. Dies Haus hoffe ich nur noch – so sagt man bei uns – mit den Füßen voraus zu verlassen.“
Die große Doris Lessing ist eine kleine zierliche Frau mit scharfen Augen und einem wohlwollenden Blick. Vor ihrer Spontaneität bricht jedes Podest – sollte man eines erbaut haben – in Windeseile zusammen, und als sie der Journalistin ein Kompliment ausspricht für die frischen Farben ihrer Garderobe, die sich dem ins Grau gewendeten Wetter entgegenstellen, kommt dieser etwas in den Sinn: War es nicht Joyce Carol Oates, die Doris Lessing 1972 zum Interview aufsuchte, sich aufgeregt und „fast verzagt“ fühlte und dann „staunte, wie mühelos wir den Raum zwischen uns durchquert hatten“?
Dann sollte man am besten die ausgearbeiteten Fragen vergessen und ins Gespräch kommen mit dieser liebenswürdigen, hellwachen Frau, die eines sichtlich nicht mag: Fragen, die auf Definitionen und Festlegungen abzuzielen scheinen. „Sehen Sie, ich bin eine Geschichtenerzählerin“, sagt sie freundlich und mit nur einem Hauch von Ungeduld, „mich beschäftigen Geschichten, nicht Themen. Und Etikettierungen kann ich nicht leiden.“
Das hat mit dem Kommunismus zu tun: Dies erste Mal, dass Doris Lessing sich einer Bewegung angeschlossen hatte, mit Anfang 20, war ihr einziges und letztes Mal, und es hat sie nachhaltig motiviert, gegen dogmatische Fixierungen anzuschreiben. Danach gefragt, warum sie, die dem Kommunismus schon in den fünfziger Jahren abgeschworen hat, sich zuletzt wieder im Süßen Traum ausgiebig damit beschäftigt, fragt sie zurück: „Warum sollte ich aufhören? Ich sehe diese Leute heute noch häufig, mit ihrem großartigen Auftreten, ernst, autoritär, ohne Humor und für jeden Widerspruch Entschuldigungen findend. Sie sagen von sich: Ach ja, ich bin ein bisschen links.“
In Lessings letztem RomanEin süßer Traum steht Genosse Johnny Lennox für diesen Typ. Meist taucht er in der Küche des großen Hampsteader Hauses auf, wenn die Essgelage sich so weit geneigt haben, dass sich ein Dutzend andächtiger junger Gesichter seinen befeuernden Reden zuwenden kann, und während er sich dann selbst an den Fleischtöpfen seiner Ex-Frau Frances labt, lässt er sein Charisma wirken. Als ein auswärtiger Genosse einmal aus sowjetischen Straflagern berichtet, kann ihn dies nicht irritieren; es scheint nichts zu geben, was ihn veranlassen würde, seine Ideologie infrage zu stellen.
Ein süßer Traum spielt wesentlich in den 1960er Jahren, und große Teile des Romans finden am Esstisch dieses Hauses statt, wo Frances, „Hausmutter, Erdmutter“, junge Leute verköstigt, die kommen, gehen, bleiben. „Es beeindruckt mich immer noch, dieser easy going way of life, den es damals gab“, kommentiert Lessing, „ein junger Mensch konnte auftauchen und sagen: Hi, ich bin Berti, und er konnte reinkommen und für Monate bleiben.“
„Was nützen Etiketten überhaupt?“, nimmt Lessing den Gesprächsfaden wieder auf. „Sie verfälschen und vereinfachen das, was ist. Sehen Sie, das Etikett ,autobiografisch‘. Es ist zustande gekommen, weil ich gesagt habe: Über diese Zeit in meinem Leben werde ich keine Autobiografie schreiben, darin kommen zu viele meiner heutigen Freunde vor, und sie könnten verletzt sein. – Ich war so eine Art Frau wie Frances, aber natürlich finden Sie mich überall in meinem Werk. Viel wichtiger als dies ist, dass es eine offensichtlich polemische Geschichte ist und eine über den Krieg. Es gibt niemanden in diesem Buch, der oder die nicht vom Krieg betroffen ist.“
Für die Tochter eines verkrüppelten Kriegsveteranen aus dem Ersten Weltkrieg gehören Kriege, ihre Vor- und Nachgeschichten zu den immer wiederkehrenden Themen. Von einem ihrer wenigen Besuche in Deutschland ist ihr ein Bild geblieben: „In den frühen fünfziger Jahren war ich mal auf dem Münchner Bahnsteig, spät nachts, und überall, wo ich hinsah – verkrüppelte, betrunkene Menschen. Ich fragte mich: Warum? – Nun haben wir ein Europa voller verkrüppelter Männer, von den Millionen seelisch Traumatisierter ganz zu schweigen.“
Und heute? „Da gibt es eine ganze Liste fürchterlicher Bedrohungen. Die ökologische Katastrophe vor allem, aber mir fällt auch auf, wie uns mit neuen Krankheiten Angst gemacht wird… Wir Alten haben so viel gesehen, aber niemand von uns kann einschätzen, was das mit jungen Leuten macht. Das beunruhigt mich mehr als politische Verhältnisse.
Sehen Sie, wenn ich zu meinen Eltern gesagt hätte: In 50 Jahren ist das Empire nicht mehr, sie hätten mich nicht nur für verrückt, sondern für bösartig erklärt, und was ist? Nazideutschland, Mussolini, die Sowjetunion, das British Empire, alles schien ewig, und nichts ist geblieben. Jetzt schaut man auf Amerika. Es scheint absolut unzerstörbar, aber es ist es nicht. Niemand weiß, was kommt – aber wir tun immer so, als ob wir die Kontrolle hätten…“
Drei Frauenleben stehen nebeneinander in Lessings Ein süßer Traum. Frances, die Erdmutter; ihre Ex-Schwiegermutter Julia, eine alte Dame aus Deutschland, der das Haus in Hampstead gehört und deren großbürgerliche Konventionen in scharfem Gegensatz zum Lebensstil der „Sechziger-Jahre-Schlampe“ (Lessing) Frances stehen; zuletzt Silvia, die als verängstigte, magersüchtige Jugendliche im Haus der beiden gegensätzlichen Frauen das nährende Zuhause findet und sich schließlich als Ärztin im afrikanischen Busch buchstäblich zu Tode arbeitet.
Doris Lessing, die Frauenschriftstellerin? Auch dieses Etikett wies die Autorin so oft zurück, wie man es ihr umgehängt hat. Sie, die alleinerziehend war und schon in den fünfziger Jahren die verschiedensten Patchwork-Szenarien beschrieb, die wirtschaftlich unabhängig sowie intellektuell und künstlerisch bald international anerkannt war, wurde spätestens seit dem Golden Notebook (1962) als Stimme der Frauenbewegung wahrgenommen.
„Sie war immer eine Provokation, weil sie Dinge aussprach, die sonst nicht ausgesprochen wurden“, erinnert sich Lessings Freundin Suzette Macedo an die öffentlichen Reaktionen, wenn deren Bücher Themen wie Menstruation, inzestuöse Liebe, Frauenliebe, Sexualität einer alten Frau ansprachen.
In ihren eigenen Augen hat Doris Lessing nur thematisiert, was sie selbst an Lebensthemen vorfand. „Schreiben kann keine Lebensweise sein; das Wichtigste am Schreiben ist das Leben. Man muss so leben, dass das Schreiben daraus entsteht“, hat Doris Lessing einmal gesagt.
Als ich frage, ob sie regelmäßige Schreibzeiten habe, hätte ich mir die Antwort ungefähr denken können. „Frauen kümmern sich darum, dass der Kühlschrank gefüllt ist, sie versorgen die Katze und gehen zur Tür, wenn die Post kommt. Frauen haben keine regelmäßigen Leben. Ich habe nie eine Schriftstellerin kennen gelernt, die regelmäßige Arbeitszeiten hatte – es sei denn, sie hatte eine Mutter, eine Sekretärin, einen sorgenden Ehemann.“ So ist Doris Lessings Schreibfluss unentwegt um die unzähligen Hürden alltäglichen Lebens herum geflossen, ein nicht versiegender Strom, der Farbe und Geschmack aus diesen Hürden bezog.
Frauenleben, auch das beschäftigt die Autorin lebenslang, gehen zu Bruch, immer mal wieder, unspektakulär, unbemerkt. Frauen, die sich derartig an ihre Männer gebunden haben und ohne sie nicht wissen, was sie zusammenhalten könnte. Die vielen Mädchen aus ihren Erzählungen, die, noch nicht erwachsen, schwanger werden und sich bald nicht mehr erinnern können an die, die sie mal waren. „They go to pieces“, heißt es verschiedentlich, diese Frauen brechen in Stücke, und so ist Doris Lessing: ab und an herzzerreißend und nie sentimental.
Dass Frauen mitunter still vor sich hin zerbrechen, war nichts, was Lessing kennen lernen musste; vielmehr blieb sie einem bekannten Thema treu. „Heute tut es mir so leid, zu sehen, dass meine Mutter ein schreckliches Leben hatte. Und ich war Teil dieses schrecklichen Lebens.“
Das, was sich Emily Maude Tayler im rauen südrhodesischen Buschleben, zu dem ihr Mann sie überredet hatte, an „upper class British manner“ erhalten konnte, wurde von Tochter Doris zum Teufel gejagt. Sie verließ die Höhere Töchterschule in Salisbury mit 14 und kehrte mit 17 der elterlichen Farm endgültig den Rücken, einem Leben zwischen Jobs, Büchern und kommunistischen Freunden zuliebe. Dann dauerte es noch kurze Zeit, bis Emily Maude Tayler am Schreiben ihrer Tochter zu leiden begann. „Sie fand sadistisch, was ich schrieb; ich griff ja die weiße Herrenklasse an, zu der sie gehörte.“
In den fünfziger Jahren nahm sie Doris’ Leben in London zum Anlass, selbst wieder zurückzukehren nach England, wohin sie sich immer gesehnt hatte. „Gesehnt nach etwas, was es nicht gab“, beschreibt ihre Tochter, „dann wollte sie mit mir leben, und das war für uns beide ein Albtraum. Wir konnten nicht miteinander auskommen; waren viel zu unterschiedlich. Das passiert in Familien. Es war nicht ihr Fehler und nicht meiner.“ Nach drei Jahren reiste ihre Mutter zurück.
„Heute kommt es mir manchmal wie ein schlechter Witz vor, was ich tat. Aber ich musste überleben – meine Mutter überleben.“
Auch was Afrika betrifft – ein anderes großes Thema –, folgt Lessing der Spur des eigenen Lebens. Afrika, das sind Bilder im Kopf, gestochen scharfe Fotografien. Von einer Buschlandschaft voller Tiere und Pflanzen, durch die ein wildes Mädchen streifte, mit Gewehr und ohne Angst. Bilder von der schönen und der schrecklichen Natur, einer „Dürre zum Beispiel. Der Staub, die ausgetrockneten Flüsse, die sterbenden Bäume, die Frauen, die Meilen laufen, um Wasser zu holen.“ Und auf den späteren Reisen nach 1975 dann Bilder vom unter Mugabe ruinierten Simbabwe. Die trostlosen Bilder vor sich hin rottender Hilfsgüter in den Bauruinen eines Krankenhauses, die in Ein süßer Traum den Hintergrund von Silvias – der jungen Ärztin – Hilfsbemühungen abgeben. Ein süßer Traum thematisiert nicht zuletzt die von Ignoranz gezeichneten Gesten der Geberländer. Afrika hat Doris Lessing in vielfacher Hinsicht befähigt, von weit her auf ihre neue Heimat England zu schauen.
Lessing hat auch unermüdlich neue literarische Orte – jenseits von Afrika – hervorgebracht; in Abgrenzung zu Science-Fiction („Ich bin keine Wissenschaftlerin“) nennt sie den surrealistischen Teil ihres Werks „Space-Fiction“. Diese innere Produktion fremder Welten hat ihren Ursprung, so Lessing, vielleicht darin, als Kind unentwegt gereist zu sein. Noch nicht sechsjährig, war sie mit Eltern und Bruder tage- und wochenlang via Schiff, Auto, Zug, Planwagen unterwegs, zwischen Iran, Russland, England, Afrika. Dies könne eine Art Vorbereitung zum Weltenerfinden sein. Und außerdem: „Ich schreibe gern imaginative Prosa. Der konventionelle englische Roman ist mir zu zahm, er bleibt in festen Grenzen, das empfinde ich oft als langweilig.“
Doris Lessings inzwischen über 50 Bücher umfassendes Werk ist doppelt unüberschaubar, im Umfang und in der Gleichzeitigkeit des Verschiedenen, und damit auf provokative Art dazu angetan zu enttäuschen: Wer konsequent feministische Positionen erwartete, wartete so vergeblich auf Fortsetzung wie jene, die nach psychologisch komplexen Romanen wie Martha Quest (1952) oder The Summer before the Dark (1973) mit „Space-Fiction“ nichts anfangen konnten. Wer eine Entwicklung zu subtileren Charakteren, verknappteren Erzählanlagen erwartete, sah sich enttäuscht, weil die Autorin stattdessen mit ihrem nächsten Experiment schon wieder irgendwo anders unterwegs war, neugierig darauf, zu erfahren, wie ihre Bücher rezipiert würden, wenn sie sie unter dem Namen „Jane Somers“ veröffentlichte. Stets unberechenbar, von einem unstillbaren Impuls zu Verwandlung und Erweiterung angetrieben, ist Doris Lessing keine Meisterin des subtil und unterschwellig Vermittelten. Ihre Bücher sind groß angelegte und, wie es scheint, nicht abkürzbare Suchbewegungen hin zu dem, was Menschen sind und sein könnten; Abarbeitung erinnerter Bilder und des unablässig in kleineren und größeren sozialen Räumen Beobachteten. Das Experiment ist Prinzip. Sich selbst sieht Doris Lessing als Chronistin und Beobachterin, und tatsächlich ist im gewaltigen Werk dieser „Nomadin im Herzen“ (William Foster) fast ein Jahrhundert aufgehoben.
„Sehen Sie , das ist es: das Alter. Die Knochen tun weh, der Rücken tut weh, aber wenn ich mich vergleiche, muss ich sagen: Ich bin kerngesund.“ Als die alte Dame aufsteht und zwei Treppen hochläuft, um mir ein Buch zu holen, das in meiner Bibliothek fehlt, stelle ich mir vor, wie sie immer noch große Tischrunden bewirtet oder wie sie weite Spaziergänge macht über Hampstead Heath, den windigen Hügel vor ihrer Haustür.
„Meine Bücher bleiben nicht bei mir. Sobald eines geschrieben ist, will man wieder Platz in sich für Neues. Wenn ich sie dann wieder lese, denke ich manchmal, das würde ich jetzt so nicht mehr schreiben. Man hört eine alte Bandaufnahme von sich und weiß: So war ich mal.“
„Ich war eine kämpferische Frau. Jetzt bin ich sanfter geworden. Ob ich erreicht habe, was ich im Leben wollte? Natürlich nicht. Niemand tut das. Nie schreibst du das Buch, das du gern geschrieben hättest. Außer, vielleicht, man ist Goethe. Aber auch er hat im hohen Alter den bemerkenswerten Satz gesagt: Ich habe erst jetzt gelernt, zu lesen. Wenn ich ihn richtig verstehe, meinte er, dass wir immer so sehr uns selbst hineinlesen. Vielleicht erst dann nicht mehr, wenn wir sehr alt sind.“
Dann geht man aus der Tür – wie heraus aus einer Landschaft von außergewöhnlicher Weite.
- Datum 11.10.2007 - 05:32 Uhr
- Serie belletristik
- Quelle (c) DIE ZEIT 19.05.2004 Nr.22
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