Roman Eine Nomadin des HerzensSeite 7/7

„Sehen Sie , das ist es: das Alter. Die Knochen tun weh, der Rücken tut weh, aber wenn ich mich vergleiche, muss ich sagen: Ich bin kerngesund.“ Als die alte Dame aufsteht und zwei Treppen hochläuft, um mir ein Buch zu holen, das in meiner Bibliothek fehlt, stelle ich mir vor, wie sie immer noch große Tischrunden bewirtet oder wie sie weite Spaziergänge macht über Hampstead Heath, den windigen Hügel vor ihrer Haustür.

„Meine Bücher bleiben nicht bei mir. Sobald eines geschrieben ist, will man wieder Platz in sich für Neues. Wenn ich sie dann wieder lese, denke ich manchmal, das würde ich jetzt so nicht mehr schreiben. Man hört eine alte Bandaufnahme von sich und weiß: So war ich mal.“

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„Ich war eine kämpferische Frau. Jetzt bin ich sanfter geworden. Ob ich erreicht habe, was ich im Leben wollte? Natürlich nicht. Niemand tut das. Nie schreibst du das Buch, das du gern geschrieben hättest. Außer, vielleicht, man ist Goethe. Aber auch er hat im hohen Alter den bemerkenswerten Satz gesagt: Ich habe erst jetzt gelernt, zu lesen. Wenn ich ihn richtig verstehe, meinte er, dass wir immer so sehr uns selbst hineinlesen. Vielleicht erst dann nicht mehr, wenn wir sehr alt sind.“

Dann geht man aus der Tür – wie heraus aus einer Landschaft von außergewöhnlicher Weite.

Doris Lessing: Ein süßer Traum Roman; aus dem Englischen von Barbara Christ; Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2003; 527 S., 24,90 €Ein süßer TraumRomanBelletristikenglischRoman; aus dem Englischen von Barbara ChristDoris LessingBuchHoffmann und Campe2003Hamburg24,90527Barbara Christ
 
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