Die Auguren haben sich geirrt. Wohl zwei Jahre werde der Mannesmann-Prozess dauern, so hatten sie prophezeit. Doch schon nach vier Monaten ist die Luft raus aus dem Verfahren, das gern das spektakulärste seiner Art nach dem Kriege genannt worden war.

Zwar unternehmen die Staatsanwälte nun plötzlich verbale Kraftakte und wenden alles erneut hin und her, nachdem sie zuvor wochenlang vor sich hin dösten.

Zur Sache haben sie aber nichts mehr beizutragen. Der Vorrat an Zeugen wie der Vorrat an Argumenten ist erschöpft.

Nichts dokumentiert die Sinnlosigkeit des Weiterwurstelns besser als der Wunsch der Ankläger, längst gehörte und mit ihrer Zustimmung entlassene Zeugen nochmals zu vernehmen. Über all die Monate erneuern sie obsessiv die Unterstellung, der einstige Chef des Mannesmann-Konzerns, Klaus Esser, habe sich seine Zustimmung zur Übernahme durch den britischen Konkurrenten Vodafone mit millionenschweren Prämien abkaufen lassen. Wie ein Untoter geistert dieser Vorwurf durch den Prozess. Dabei hat die Kammer längst beschlossen, ihn gar nicht erst zu verhandeln.

Nun ist der Prozess selbst in jenen untoten Zustand gefallen. Das Gericht begrabe ihn gnädig. Die Inschrift "Freigesprochen" wird später ohnehin einer Revision unterzogen.