Potosi war einmal die reichste Stadt der Welt, 4000 Meter hoch in den bolivianischen Anden gelegen, am Fuß eines kahlen, rostroten Kegels. Cerro Rico, "Reicher Berg", nannten ihn die spanischen Kolonialherren. 5000 Stollen ließen sie in diesen Berg treiben, Hunderttausende Indios schickten sie hinein, um Silber aus dem Gestein zu hauen. Viele mineros ließen dabei ihr Leben. Doch von dem sagenhaften Schatz ist nicht viel geblieben. Ein Münzmuseum, eine Bergbau-Universität – und Zinn, fast wertlos.

Bis sich der Zinnpreis mehr als verdoppelte.

Neun Dollar kostete das Kilogramm Ende vergangener Woche an der Londoner Metallbörse – vor zwei Jahren waren es weniger als vier Dollar. Die mineros von Potosi hoffen nun auf bessere Zeiten.

Zu verdanken haben sie die hohen Preise dem Rohstoffhunger Chinas. Die Chinesen fördern zwar selbst Zinn, viel mehr als die Bolivianer. Aber statt es wie früher zu exportieren, brauchen sie es jetzt im eigenen Land. Boomende Elektronikbetriebe verwenden es als Lötzinn, aufstrebende Chemiefirmen mischen es in Farben und Pflanzenschutzmittel. Häufigstes Zinnprodukt der Volksrepublik ist Weißblech – für Spielzeugautos oder schlicht für Konservendosen.

China ist Weltmeister im Zinnverbrauch geworden, weshalb das Metall nun teuer ist. Überall. Auch in Andernach am Rhein, wo Deutschlands größter Zinnverbraucher, die Rasselstein GmbH, Weißblech für Erbsensuppen- und Hundefutter-Dosen fertigt – eine hauchdünne Zinnschicht schützt die Behälter vor Korrosion.

Auch das ist Globalisierung. Nicht nur Zinn, fast sämtliche Rohstoffe saugt China mittlerweile von den Märkten – und treibt die Weltmarktpreise hoch. Kupfer, das in Waschmaschinen, Radios oder Kabeln steckt, kostet fast 70 Prozent mehr als vor einem Jahr. Blei, etwa für Autobatterien, ist um zwei Drittel teurer geworden; Nickel, das vor allem der Stahlveredelung dient, um fast 40 Prozent. Für eine Tonne Eisenerz mussten im April knapp 76 Dollar gezahlt werden, gut 20 Dollar mehr als im Durchschnitt 2003. Kesselkohle kostet doppelt so viel wie vor Jahresfrist. Erdöl ist um 9 Dollar je Barrel teurer geworden. Selbst Stahlschrott ist auf einmal ein rares und deshalb teures Gut. "So etwas", sagt Albrecht Kormann, Hauptgeschäftsführer der Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Stahl, "habe ich noch nie erlebt."