Es ist die heißeste Jahreszeit im N’djamena, der Hauptstadt des Tschads. 29 Grad Celsius bei der Landung am Flughafen um vier Uhr früh. Tagsüber klettert das Thermometer auf über 50 Grad. "Das Wetter wird oben entschieden, genau wie die Politik", sagt Omar, der Nachtwächter des Novotels. "Die Flüchtlinge aus dem Sudan sind eine Plage für unser Land", fügt er ungefragt hinzu, während er herabgefallene Blätter aus dem Schwimmbecken fischt. "Der Osten des Tschads ist staubtrocken und bitterarm, und die Menschen dort haben selbst nicht genug zu essen. Die Vertriebenen aus Darfur sind unsere Vettern, aber sie kommen bewaffnet über die Grenze, mit Frauen, Kindern und diesen Tierherden, die alles kahl fressen, vermutlich gehen sie nie wieder weg – inschallah!"

Das in der Sahelzone gelegene Tschad gehört mit seinen knapp acht Millionen Einwohnern zu den ärmsten Ländern Afrikas, die Hauptstadt N’djamena, früher Fort Lamy, sieht aus wie ein Wüstencamp. Glühend heißer Wind treibt Staub durch die Straßen, Lastwagen, Landrover und Jeeps fahren zwischen Ministerien, Botschaften und Büros von Hilfsorganisationen hin und her. Wir machen uns auf die Reise ins Grenzgebiet zum Sudan: Dort tobt ein unerklärter Krieg zwischen sudanesischen Milizen und der schwarzafrikanischen Bevölkerung, wobei unklar ist, wer den ersten Schuss abgefeuert hat und welche Ziele die Kriegsparteien verfolgen.

Es ist nicht leicht, einen Platz in einem der Hilfsflüge zu ergattern; prominente Politiker, VIPs genannt, haben Vorrang, oder die Maschinen bleiben wegen technischer Pannen am Boden.

Stundenlanges Warten auf der Piste hat das Flugzeug aufgeheizt; im Innern ist es heiß wie in einem Hochofen, und die Passagiere – zwei italienische Entwicklungshelfer und eine deutsche Mitarbeiterin von Caritas International – fächeln sich mit Faltblättern Luft zu. Noch heißer ist es bei der Landung in Abéché. Um dem Gluthauch zu entkommen, suchen wir unter dem Heck der Beechcraft Schutz, während eine Transall der französischen Luftwaffe mit apokalyptischem Donnern auf der Piste niedergeht.

Seit dem Einfall libyscher Truppen in den siebziger Jahren ist französisches Militär hier stationiert. Am Rand des Flugfelds wächst ein zerzauster Kameldornbaum, in dessen löchrigem Schatten sich die Vertreter örtlicher Hilfsorganisationen drängen. Der für die Betreuung zuständige Sprecher des Welternährungsprogramms ist nicht dabei, also schließen wir uns der deutschen Caritas-Mitarbeiterin an. Sie kommt aus Freiburg und hat dasselbe Ziel: die Flüchtlingslager entlang der Grenze zu besuchen, um sich ein Bild von der Lage der Vertriebenen zu machen, das nicht auf bloßem Hörensagen, sondern auf persönlichem Augenschein beruht.

Doch das ist leichter gesagt als getan, denn vorher sind administrative Genehmigungen einzuholen, ohne die der Aufenthalt im Grenzgebiet illegal und doppelt gefährlich ist: Reporter, die unangemeldet einreisen, werden als Spione verhaftet und verhört, abgeschoben oder ausgewiesen. Philippe, Büroleiter eines katholischen Hilfswerks namens Secadev, das mit der Caritas kooperiert, weckt den Ortskommandanten aus seiner Siesta. Der schickt uns weiter zum Polizeichef, der uns zum Gouverneur bringt, welcher uns schließlich bei Einbruch der Dämmerung in seinem Palast empfängt, einem leeren Repräsentationsraum mit vom Wind bewegten Vorhängen, verstaubten Teppichen und einem überlebensgroßen Porträt des Staatspräsidenten, unter dem der Gouverneur sich auf einer Art Thron niederlässt.

Der Polizeichef holt eine Taschenlampe, und im tanzenden Lichtkegel zeigt der Gouverneur uns die Lage der Provinz Ouaddai auf der Landkarte, die sich immer wieder unter seinen Händen zusammenrollt. Die Grenze mit dem Sudan sei über tausend Kilometer lang und deshalb schwer zu kontrollieren, erläutert er, während ein Bediensteter lauwarme Limonade ausschenkt. Die sudanesische Regierung halte sich nicht an den kürzlich vereinbarten Waffenstillstand; bei der Verfolgung von Flüchtenden seien die Reitermilizen wiederholt auf tschadisches Gebiet vorgedrungen, um Vieh zu rauben und grenznahe Dörfer zu plündern; letzte Nacht hätten Janjaweeds bei Koulbous die Grenze überschritten, wie Radio France gemeldet habe.

"Wenn ein Milizionär stirbt, kräht kein Hahn nach ihm"