Tausende Menschen zwängen sich durch die Eingänge, schieben sich durch die Messehallen, umlagern das in grellem Scheinwerferlicht blitzende Metall. Für die Serben ist es eine Attraktion: Der internationale Autosalon von Belgrad.

Dabei ist die Schau bescheiden. Kein Vergleich mit den Präsentationen von Detroit, Frankfurt oder Genf, wo alle namhaften Hersteller ihre neusten Modelle mit noch mehr High Tech und noch mehr PS präsentieren. Das Topauto in Belgrad ist ein 7er BMW. Ehrfürchtig stehen die Betrachter davor. Kein Wunder, für die meisten Serben sind schon Mittelklasse-Wagen von Peugot, Renault oder VW unerschwinglich.

Polen, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Tschechien, Slowenien, Slowakei. In diesen Tagen ist viel von den neuen EU-Mitgliedern im Osten die Rede und von ihrem wirtschaftlichen Potenzial. Von Serbien redet niemand. Dabei schien es noch vor einem Jahr so, als könne der Ministerpräsident Zoran Djindjiƒ das Land nach dem Sturz Milo∆eviƒs nach Europa führen – mit Reformen, die Freiheit bringen und Wohlstand schaffen.

Ein schöner Traum. Djindjiƒ konnte ihn nicht verwirklichen. Weil er den Wandel nicht konsequent vorangebracht hat. Weil viele Serben die ihnen abverlangten Opfer, wenn es darauf ankommt, nicht tragen wollen. Weil Djindjiƒ von Europäern und Amerikanern nicht die nötige Unterstützung bekam. Sie waren mehr damit beschäftigt, die Regierung in Belgrad zu drängen, angeklagte Kriegsverbrecher ausfindig zu machen und an das Haager Tribunal auszuliefern.

Schließlich wurde Djindjiƒ ermordet.

Nun sind in Belgrad konservative Nationalisten an der Macht, gestützt auf Milo∆eviƒs Gefolgschaft. Sie wollen schon immer gewusst haben, dass rasche Reformen nicht sinnvoll seien. Von einer Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrecher-Tribunal halten sie nichts. Sie reden von ihrer Zugehörigkeit zu Europa, aber unterlassen alles, was für eine Integration in die EU erforderlich wäre.

Ausländische Investoren, die Serbien dringend brauchte, um die daniederliegende Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, schreckt die amtierende Regierung von Vojislav Ko∆tunica ab. Zu unsicher sind die Aussichten.

Heute hat nur jeder zweite Serbe einen Job, das Durchschnittsgehalt liegt bei rund 220 Euro. Wer arbeitslos ist, muss mit knapp einem Drittel davon auskommen.