Im Kurgebiet
Die Verwandlung des Ruhrgebiets ist in vollem Gang. Von den Erfolgen und aus den Fehlern können andere Regionen lernen. Anschauungsunterricht in zehn Lektionen
Im Kurgebiet
Ach Ruhrgebiet! Bis heute gibt es kaum eine Politikerrede über den „Melting Pott“, die nicht das alte Diktum Willy Brandts strapaziert: Wie schön blau er wieder sei, der Himmel über der Ruhr! Als müsste man noch betonen, dass der Dreck in der Luft über Bottrop oder Castrop nicht mehr aus qualmenden Schloten, sondern seit langem wie überall sonst aus Heizung und Auspuff kommt.
Auf den vielen, oft verstopften Verkehrsadern passiert man vielmehr renaturierte Industriebrachen, durch die Damengruppen beim Nordic Walking wippen. Aus der hochschulpolitischen Wüste, die einst Kaiser Wilhelm wollte, um die Arbeiter ungebildet zu halten, wuchs seit den sechziger Jahren Deutschlands dichteste Forschungslandschaft, mit sechs Universitäten, zahlreichen Fachhochschulen und Spezialinstituten. Und eine enorme kulturelle Vielfalt aus Klaviersommern, Kabarett und Kongressen in Zechen und Gasometern.
Gewiss, monströse Bausünden gibt es auch und überalterte mausgraue Viertel mit hohem Ausländeranteil, aus denen wegzieht, wer kann. Vor allem: eine dramatische Arbeitslosigkeit von 13, mancherorts über 17 Prozent. Doch das helle, das modernisierte Ruhrgebiet ist eine – die meisten hoffen: die zukünftig prägende – Realität.
Es ist das Ergebnis eines tiefgreifenden Umbaus, von dem sich die ängstliche Bundesrepublik eines auf jeden Fall abgucken kann: dass Innovation möglich ist. Und obgleich die Abhängigkeit von einer gigantischen Monostruktur im Ruhrgebiet einzigartig war, lassen sich aus seinen Fehlern und Erfolgen beim Strukturwandel weitere Lehren ziehen.
- Datum 27.05.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 27.05.2004 Nr.23
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