Roman Vom Sinn der NutzlosigkeitSeite 2/2
Nebenbei bemerkt Xu, dass einer seiner Freunde, der in seinem Roman unter dem Namen Gorilla auftaucht, heute als wohlhabender Künstler in New York mit Frau und drei Kindern lebe. In seinem Keller aber sieht alles noch wie früher aus: Auf den mit klassischer Literatur vollgestopften Bücherregalen liegt ein blauer Reisekoffer und eine graue Militärmütze mit rotem Stern. Sie zeugt von Xus Vergangenheit als Soldat, als er zwei gar nicht so unglückliche Jahre mit Bauernarbeit auf dem Land verbrachte. Zwar könnte auch er, wie so viele Chinesen, von einer schrecklichen Vergangenheit berichten. Seine Eltern, um die er sich heute kümmert, wurden schon 1957 Opfer der Anti-Rechts-Bewegung und später durch die Kulturrevolution auf Jahre von ihm getrennt. Doch Xu ist keiner, der klagt.
Es existiere in Peking ein „Mysterium Xu Xing“, schrieb Pierre Haski unlängst in Libération und meinte damit den andauernden Kultstatus des „einzigen echten Außenseiters in China“. Eines hatte Haski damit richtig beobachtet: Xus Askese und Konsumverzicht machen ihn zum geheimnisvollen Außenseiter in einer nach schnellem Reichtum strebenden Stadt. Dafür sieht er Dinge wie kein anderer: „Überall fahren absonderlich anmutende Baumaschinen ihre grotesken Arme und Krallen aus und verschlingen Peking, begleitet von einem unerträglichen Dröhnen.“ Das ist die Kulisse, die Xu am Ende seines Romans vom heutigen Peking zeichnet. Endlich hat China eine literarische Stimme, die kritisch sein kann, ohne dabei zu vergessen, dass sie selbst ein Ausdruck der neuen Freiheit ist.
Xu Xing: Und alles, was bleibt, ist für dich Roman; aus dem Chinesischen von Rupprecht Mayer und Irmy Schweiger; Schirmer Graf Verlag, München 2004; 273 S., 19,80 ¤Und alles, was bleibt, ist für dichRomanBelletristikchinesischRoman; aus dem Chinesischen von Rupprecht Mayer und Irmy SchweigerXu XingBuchSchirmer Graf Verlag2004München19,80273Rupprecht Mayer und Irmy Schweiger
- Datum 27.05.2004 - 14:00 Uhr
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- Serie belletristik
- Quelle (c) DIE ZEIT 27.05.2004 Nr.23
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