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Forscher im Ausland fordern andere Universitäten

Die Botschaft des jüngsten Kompromisses um das neue Zuwanderungsrecht ist eindeutig: Es geht nicht mehr darum, wie die besten Köpfe der Welt ins Land geholt werden können, sondern darum, wie es mutmaßliche Terroristen möglichst schnell verlassen. Doch wie verhält es sich umgekehrt bei der Gruppe der hoch qualifizierten Akademiker, die ins Ausland gehen, weil sie hierzulande nicht die geeigneten Bedingungen in Forschung und Lehre erfahren? Allein in den Vereinigten Staaten sind mehr als 18000 deutsche Hochschulabsolventen in Forschung und Wissenschaft tätig. Die Frage nach den Ursachen und Motiven dieses Braindrains stand im Mittelpunkt einer Umfrage des Think Tank berlinpolis.

Zielgruppe der Umfrage waren Wissenschaftler, die von einer deutschen an eine amerikanische oder britische Hochschule gewechselt sind. Warum haben sie Deutschland verlassen? Wie wahrscheinlich ist es, dass sie zurückkehren? Welche Anreize müssten geschaffen und welche Hindernisse beseitigt werden, um sie zu einer Rückkehr zu bewegen? Die Ergebnisse der qualitativen Umfrage, an der mehr als 300 deutsche Bildungsemigranten teilnahmen, lassen sich in vier wesentlichen Aussagen zusammenfassen.

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Erstens: Der Lehrbetrieb an deutschen Hochschulen ist unzureichend organisiert. Mangelnder Praxisbezug, wenig ausgeprägte didaktische Fähigkeiten des Personals, das schlechte Betreuungsverhältnis sowie ein deutlich niedrigeres Engagement der Studierenden lassen die deutsche Hochschule in den Augen der Befragten alt aussehen. Die Vereinigten Staaten und England schneiden hier eine Note besser ab. Deutschland bekommt insgesamt lediglich ein Befriedigend.

Zweitens: In der Forschung sind die amerikanischen und britischen Hochschulen nicht nur finanziell wesentlich besser ausgestattet – zu den eigentlichen Vorteilen zählen die Befragten die bessere Vernetzung mit Wissenschaftlern innerhalb und außerhalb der Hochschule und die Autonomie der Nachwuchswissenschaftler gegenüber Projektleitern.

Drittens: Nur ein Drittel der Befragten gab an, dass sie sehr wahrscheinlich nach Deutschland zurückkehren würden. Jeder Fünfte schließt eine Rückkehr kategorisch aus – 80 Prozent wären somit generell zur Rückkehr bereit, machen diese aber zu großen Teilen von deutlichen Reformmaßnahmen abhängig.

Viertens: Es sind vor allem die deutlich besseren Karrieremöglichkeiten, die deutsche Nachwuchswissenschaftler ins Ausland ziehen. Vor allem die Altersgruppe der 36- bis 45-Jährigen sieht persönlich kaum Chancen auf eine berufliche Verbesserung in Deutschland.

Welche Schlüsse lassen sich für die künftige Diskussion für die deutsche Hochschulpolitik aus der Umfrage ziehen?

Erstens: Die deutschen Hochschulen müssen wieder frei werden in Lehre und Forschung. „Frei“ heißt vor allem unabhängig von Politik und Steuerung von außen. Kritisiert wird staatliche Einflussnahme auf Personal- und Finanzfragen. Wie bereits die ehemaligen Staatsbetriebe Post und Telekom sowie seit vergangenem Jahr auch die Bundesagentur für Arbeit sollten auch Unis und Fachhochschulen Schritt für Schritt unabhängiger werden. Vorbild ist die autonome, allein durch Zielvereinbarungen gesteuerte, weisungsfreie Selbstorganisation.

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