Richtig ist, dass die Dämmerung in Äquatornähe kürzer ist als bei uns. Dass es „schlagartig“ dunkel würde, davon kann aber keine Rede sein – die Dämmerung ist immer noch etwa zwei Drittel so lang wie bei uns im Frühling. Und der Grund dafür ist auch nicht, wie man oft lesen kann, dass sich die Erde am Äquator schneller dreht als in höheren Breiten.

Als „bürgerliche Dämmerung“ bezeichnen die Astronomen die Zeit zwischen Sonnenuntergang (der Mittelpunkt der Sonnenscheibe liegt genau auf dem Horizont) und dem Zeitpunkt, an dem sich die Sonne sechs Grad unter dem Horizont befindet – ungefähr so lange kann der Bürger noch ohne Hilfsbeleuchtung Zeitung lesen. Am Äquator geht die Sonne immer senkrecht unter, bei uns bildet die scheinbare Sonnenbahn stets denselben Winkel von etwa 40 Grad mit dem Horizont. Bei dieser flachen Bahn dauert es länger, bis die Sonne den entsprechenden Abstand gewonnen hat. Je nach Jahreszeit beträgt die bürgerliche Dämmerungszeit bei uns zwischen 32 und 45 Minuten. Am Äquator schwankt sie zwischen 21 und 23 Minuten.

Richtig lang wird die Dämmerung, wenn man sich den Polen nähert. In den berühmten „weißen Nächten“ in St. Petersburg, in denen es gar nicht richtig dunkel wird, dämmert es mehr als eineinhalb Stunden lang. Am Nord- und Südpol schließlich ist jeweils ein halbes Jahr lang Tag und Nacht, und die Dämmerung dazwischen dauert etwa eine Woche. Christoph Drösser

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