Interview „Das Kopftuch ist nicht so wichtig“Seite 5/5
Çakir: Die gegenwärtige Debatte ist keine religiöse, sondern eine politische. Und deshalb werden wir uns nicht an ihr beteiligen.
zeit: Sie haben keine Position dazu, ob eine deutsche Lehrerin ein Kopftuch tragen darf oder nicht?
Çakir: Wenn der Staat sagt: Sie darf, dann darf sie. Wenn nicht, dann nicht. Das ist eine politische Diskussion. Der Staat soll sich nicht in religiöse Debatten einmischen, und die religiösen Organisationen halten sich aus staatlichen Debatten heraus. Das ist unser Verständnis des Laizismus.
zeit: Und in einer religiösen Debatte wäre Ihre Position welche?
Çakir: Es gibt bestimmte Vorschriften im Islam, wie Frauen und Männer sich zu kleiden haben. Eine dieser Vorschriften lautet, dass Frauen ihre Haare bedecken sollen. Aber das ist nur eine von vielen Vorschriften. Man ist frei, ihr zu folgen. Das Kopftuch ist kein Symbol des Islams, weshalb eine Frau auch dann eine gläubige Frau ist, wenn sie keines trägt. In den türkischen Familien hat das Kopftuch nicht die Bedeutung, wie sie ihm von Konservativen gegeben wird. Es gibt Familien, wo eine Tochter das Kopftuch trägt und die andere nicht.
Uns ist lediglich wichtig, dass die Art und Weise der Diskussion so ist, dass die Anhänger des Islams sich nicht diskriminiert oder verletzt fühlen. Letztlich werden wir jede Entscheidung des Staates mit Respekt entgegennehmen.
- Datum 03.06.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 03.06.2004 Nr.24
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