Für Studenten ist es immer nützlich, die richtigen Professoren zu kennen. Das ist altbekannt. Überraschend ist der umgekehrte Fall – dass der Schüler seinen Hochschullehrer in höchste Ämter hievt.

Axel Weber, bis vor kurzem ordentlicher Professor für Internationale Ökonomie, verdankt seine beiden wichtigsten Karrieresprünge seinem früheren Studenten Jörg Asmussen. Der ist inzwischen nach rasantem Aufstieg im Bundesfinanzministerium mit 37 Jahren der jüngste Ministerialdirektor der Berliner Regierung. Asmussen überzeugte seinen Dienstherrn Hans Eichel von der Idee, Weber zum neuen Präsidenten der Deutschen Bundesbank als Nachfolger des zurückgetretenen Ernst Welteke zu machen. Hans Eichel wiederum setzte den Kandidaten-Vorschlag bei Bundeskanzler Gerhard Schröder durch, der zunächst lieber den Keynesianer Peter Bofinger an der Spitze der Notenbank gesehen hätte. Zwei Jahre zuvor war es ebenfalls Asmussens Einfall gewesen, Weber in den Kreis der fünf Wirtschaftsweisen, den Edel-Think-Tank zur Wirtschaftspolitik, zu berufen.

Die Kür des Bundesbankchefs zeugt vom Einfluss, vor allem aber vom politischen Gespür des Ideengebers. Keine andere wichtige Personalentscheidung der rot-grünen Bundesregierung ist auf derart einhellige Zustimmung gestoßen. Asmussen, seit 15 Monaten als Abteilungsleiter für die nationale und internationale Finanzmarkt- und Währungspolitik zuständig, ist der Prototyp des modernen Staatsdieners: gut ausgebildet und kompetent, unprätentiös und eher lässig im Umgang, präzise in der Arbeit, mit eigenem Kopf, aber stets loyal. Ein durchsetzungsfähiger Verhandler und Stratege, der weiß, wann er welche Kompromisse eingehen muss. "Er ist ein echter Manager im Ministerium", sagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI), "davon brauchten wir mehr."

Begonnen hat der gebürtige Flensburger seine Beamtenlaufbahn im Finanzministerium zur Amtszeit von Theo Waigel. Sein damaliger Chef Klaus Regling, heute Generaldirektor für Wirtschaft und Währung in der Europäischen Kommission, ist voll des Lobs: "Asmussen ist ein sehr guter Ökonom, und er ist arbeitswütig – beides Qualitäten, die im Finanzministerium gebraucht werden." Regling stellte ihn nicht zuletzt deshalb ein, weil Asmussen sein Volkswirtschaftsstudium in Bonn schnell absolviert und zusätzlich ein Diplom an der Mailänder Bocconi-Unversität, einer der Topadressen in Europa, erworben hatte. Der EU-Spitzenbeamte saß damals auf Asmussens heutigem Posten, der auch für andere Staatsdiener zum Sprungbrett zur Topkarriere wurde: für den künftigen Bundespräsidenten Horst Köhler; für Gert Haller, der inzwischen als Chef eines Bauspar- und Versicherungskonzerns fungiert, und für Jürgen Stark, heute Vizepräsident der Bundesbank. Sie alle zählen zu seinen Amtsvorgängern.

Anfangs arbeitete Asmussen im Referat für internationale Finanz- und Währungspolitik, das er heute leitet. Doch nach dem Regierungswechsel 1998 wurde er erst mal persönlicher Referent des Staatssekretärs Heiner Flassbeck, eines ausgeprägten Keynesianers. Nach dem Rücktritt Oskar Lafontaines holte ihn Hans Eichel als Leiter des Ministerbüros. Im März 2003 übernahm er dann den Chefposten in seiner heutigen Abteilung. Eine seiner heikelsten Missionen führte ihn jüngst nach Frankfurt, als dort der auf seine Unabhängigkeit pochende Bundesbankvorstand über die Zukunft von Ernst Welteke beriet, der schließlich über die Adlon-Affäre stolperte.

In seiner Freizeit kocht Asmussen gern. Er joggt und fährt mit dem Fahrrad ins Büro wie auch zu Terminen in den anderen Berliner Ministerien. Aber über seine Person möchte er in den Zeitungen am liebsten gar nichts lesen. Das entspricht seinem Rollenverständnis: Als Beamter hat man für den Minister und das Ministerium "möglichst geräuschlos die Hindernisse wegzuräumen". Da kann zu viel Publicity nur schaden. Insofern waren seine früheren Chefs Jürgen Stark und Klaus Regling, aber auch Haushaltsstaatssekretär Manfred Overhaus prägend. Von seinem direkten Vorgänger Axel Nawrath, inzwischen Direktor bei der Deutschen Börse, hat er etwas anderes gelernt: "Man muss die Macht wollen."

"Man braucht zehn Freunde, die einen decken, wenn die Luft bleihaltig ist"

Zu seinem Selbstverständnis gehört auch: Intern soll sehr offen diskutiert werden, aber was dann entschieden wird, das gilt – und dafür muss der Beamte nach außen eintreten. "Wer immer eine eigene Meinung vertreten will, sollte Politiker werden", sagt Asmussen, der als Ministerialdirektor zu den so genannten politischen Beamten zählt, die jederzeit von ihrem Dienstherrn in den einstweiligen Ruhestand geschickt werden können. Er selbst habe zwar ein SPD-Parteibuch, aber "als Erstes bin ich Ökonom".