finanzministerium Ein Manager mit BeamtenstatusSeite 2/2

Ideologische Label passen nicht auf den Volkswirt. Er sei kein Monetarist, kein Keynesianer, auch kein Neoliberaler, sondern ein „Mainstream-Ökonom“, meinen Kollegen. Asmussen selbst beschreibt sich als Marktwirtschaftler, der auf empirische Daten achtet: Wie entwickeln sich Angebot und Nachfrage, was kann man von anderen Ländern lernen? Gemeinsam mit dem jungen Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider, einem der SPD-Netzwerker, zu denen der Beamte Kontakte pflegt, hat er ein Papier verfasst. Darin heißt es: „Es gibt eben beides: Markt- und Staatsversagen.“ Er sei, sagt er, weniger an theoretischen Konzepten interessiert als an der praktischen Umsetzung.

Den Sinn fürs Nützliche beweist Asmussen auch in seiner Abteilung. Vom Vorgänger hat er die Idee übernommen, Praktiker aus der Geldbranche für befristete Zeit auszuleihen. Derzeit arbeiten in seiner Mannschaft ein Angestellter der Deutschen Bank und einer aus dem Bankenverband. Die Experten von außen brächten, wie er erklärt, die Markterfahrung mit, über die kein Beamter verfüge. Außerdem würden Jahr für Jahr Stellen eingespart, obwohl der Arbeitsanfall wachse – allein schon wegen zahlreicher EU-Richtlinen, die in nationales Recht umzusetzen seien.

Doch ist die direkte Mitarbeit von Lobbyisten an Gesetzentwürfen überhaupt zu vertreten? Ist damit nicht eine Grenze überschritten? Den Verdacht, dass die Interessensvertreter dafür gesorgt hätten, die Finanzmarktgesetze zum Vorteil der Geldinstitute und zum Nachteil der Kunden zu beeinflussen, hält Asmussen für ungerechtfertigt. Er verweist darauf, dass im Sommer der Entwurf für ein Informationshaftungsgesetz komme, wonach Bankenvorstände persönlich für die Korrektheit der Informationen haften. Der Anleger habe ein Recht auf richtige Informationen, um das Risiko abschätzen zu können. Die Entscheidung für oder gegen eine Anlage könne ihm der Gesetzgeber aber nicht abnehmen. Deshalb könne Anlegerschutz natürlich „nicht Schutz vor Kursverlusten heißen“.

Die Serie seiner Gesetzesvorlagen, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Finanzmarktes gefördert werden soll, hat die parlamentarischen Hürden ohne Vermittlungsverfahren genommen. Das ist angesichts des rauen Klimas zwischen Koalition und Opposition zweifellos eine strategische Leistung, darauf ist er stolz. Für die frühzeitige Information über die geplanten Gesetze und die offene Diskussion darüber hat er Lob aus allen Bundestagsfraktionen geerntet. „Er tritt wirklich sachkundig auf“, so die anerkennenden Worte von Michael Meister, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU. „Für uns ist wichtig, dass er nicht ideologische, parteipolitische Dinge in den Vordergrund rückt und dass er auf faire Weise versucht, Sachprobleme auszuräumen.“

Aus seiner Nähe zu Politikern hat Asmussen auch eine Einsicht jenseits der Ökonomie gewonnen: „Als Politiker braucht man ein Netzwerk: zehn Freunde, die einen decken und nicht wegtauchen, wenn die Luft bleihaltig ist.“ Eine Erkenntnis, die auch für Topleute in Beamtenapparaten und Unternehmen gilt. Es wäre erstaunlich, wenn er daraus nicht Konsequenzen für die eigene Arbeit zöge.

Und was hat sich Asmussen für die Zukunft vorgenommen – für die „dreißig Jahre Arbeit“, die er noch vor sich habe? Er habe sich ursprünglich vorgestellt, dass die Grenze zwischen Staatsdienst und privatem Sektor durchlässiger sei. So deutet er vage den Wunsch an, später vielleicht – zumindest auf Zeit – in der Privatwirtschaft zu arbeiten. Ihm ist vor allem der Gestaltungsspielraum wichtig, auch bei seinem gegenwärtigen Job. „Ich würde gehen, wenn ich den Eindruck hätte: Es passiert nichts mehr.“ Doch für die nächsten paar Jahre sieht er bei seinem Lieblingsthema, den europäischen Finanzmärkten, nicht die Gefahr des Stillstands. „Da ist“, sagt Asmussen, „wirklich etwas zu bewegen.“

 
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