energie Grüne Wiese, rotes TuchSeite 3/3
Von ernsthaften Protesten zu sprechen wäre – bis auf den Fall Schmiechen – reichlich übertrieben; jeder kleinste Straßenbau ruft in der Regel mehr Opponenten auf den Plan. Doch die Entwicklung in Richtung Großanlagen hat auch der Solarkraft latentes Konfliktpotenzial beschert. Weil Dächer in Megawatt-Dimensionen nicht überall zur Verfügung stehen, setzen die Planer zunehmend auf Freiflächen. Die alles entscheidende Frage lautet: Auf welchen Flächen darf man? Auf welchen nicht?
Je unberührter die Natur, umso kritischer der Standort – die grüne Wiese als rotes Tuch. Einer der entschiedensten Gegner von Freilandanlagen ist Wolf von Fabeck. Er ist Geschäftsführer des Aachener Solarenergie-Fördervereins und hat sich wie wenige in Deutschland um den Solarstrom verdient gemacht. Doch Anlagen auf der grünen Wiese lehnt er kategorisch ab: Wer es mit dem Schutz der Umwelt ernst meine, müsse gegen diesen „unnötigen Flächenverbrauch“ protestieren.
In der Tat wird die grüne Wiese für den Ausbau der Solarenergie nicht gebraucht. Zum einen sind viele – auch große – Dächer im Lande noch ungenutzt. Zum zweiten stehen in allen Teilen der Republik noch genügend Freiflächen von geringem ökologischem Wert zur Verfügung – ehemalige Militärareale zum Beispiel oder auch Deponien. In Karlsruhe etwa wollen Bürger den städtischen Müllberg, der gerade rekultiviert wird und bereits drei Windkraftanlagen als Standort dient, zum Solarberg machen. Es ist einer jener Hügel, die schon durch die Windräder nur schöner werden konnten.
Ähnlich unbehelligt von Protesten gestaltet sich das derzeit größte Solarprojekt weltweit. Geplant von der Firma City Solar mit 7,4 Megawatt im saarländischen Göttelborn. Die Anlage wird fast so viel Strom liefern wie vor zehn Jahren alle Solaranlagen Deutschlands zusammen. Widerstand bisher: null. Warum auch? Die Anlage soll auf einem Gelände entstehen, dass einst durch den Abbau von Kohle überformt – um nicht zu sagen: verunstaltet – wurde. Hier will Projektleiter Kammler „die Wunden der alten Energiegewinnung abdecken“.
Schön gesagt. Klingt wie: Frieden schaffen mit der Vergangenheit.
- Datum 09.06.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 09.06.2004 Nr.25
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