streit um moscheen Wer hat Angst vorm Muselman?Seite 4/4

Die Islamkritiker reden nicht mit ihren Gegnern – wozu auch?

Bis heute haben sich Ahmadis und Bürgerbewegung noch zu keinem ruhigen Gespräch getroffen. Jede Seite wirft der anderen vor, zu einem unvoreingenommenen Dialog nicht willens zu sein. An den Wänden der Ahmadis-Gebetsräume hängen Collagen, von Kinderhänden gemalt. Auf einem ist eine Frau mit Schleier und langem Gewand zu sehen, daneben der Spruch: „Es soll kein Zwang im Glauben sein.“ Wie passt das zu folgenden Passagen aus dem Buch Islam 99 von Hadayatullah Hübsch? Unter der Überschrift „Darf ein Mann dem Islam zufolge seine Frau schlagen?“ schreibt er dort: „Als letzte Zuflucht darf er auf eine leichte Züchtigung zurückgreifen.“ Auf die Frage, ob eine Muslimin schwimmen und Sport treiben darf, heißt es: „Ab der Pubertät sollen Mädchen sich nicht so in gemischte Gesellschaft begeben, dass sie sich mehr oder weniger unbekleidet zeigen. Gemischter Sport oder Schwimmunterricht ist ab diesem Alter dem Islam zufolge verboten.“

Hübsch versucht zu erklären, redet vom „Rechtsfrieden“ in der Ehe, der Notwendigkeit „bestimmter letzter Worte“, der unterschiedlichen körperlichen Beschaffenheit von Männern und Frauen, aber das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ahmadis in der Tat ein reichlich paternalistisches, längst überwunden geglaubtes Frauenbild verbreiten. Das macht sie nicht zu Verfassungsfeinden. Aber es wirft im Umgang mit – auch moderaten – Muslimen die grundsätzliche Frage auf, wie viel Vergangenheit die Gegenwart verträgt.

„Wir werfen den Ahmadis ja gar nicht vor, extremistisch zu sein“, sagt die Moschee-Gegnerin Susanne Weider-Herr. „Aber ich möchte einfach nicht, dass diese Glaubensform sich hier weiter ausbreitet.“ Zum Beispiel deshalb nicht, weil ihre Tochter nie ein Kopftuch tragen solle.

Besteht denn da eine realistische Gefahr?

„Na ja“, antwortet sie, „bei uns bröckelt doch alles. Familien, Werte, Kultur … Was hält uns denn noch zusammen?“ Welche, soll das heißen, ideellen Angebote hat die Mehrheitsgesellschaft der sittlichen Supermacht Islam noch entgegenzusetzen? Ironischerweise ist es genau dieser Verfall, den der Konvertit Hübsch mit seiner Biografie verkörpert. Seine Rettung aus Beziehungs- und Orientierungsverlust hieß Islam. Und die der Schlüchterner? Ihre Kirchtürme mögen noch immer Landmarken sein. Wegweiser sind sie immer weniger.

 
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