Wie die gefürchteten englischen Fußball-Hooligans zähmen? In schöner Regelmäßigkeit taucht diese Frage vor internationalen Wettbewerben auf – so auch diesmal wieder angesichts der Fußball-EM in Portugal. Am Sonntagabend treffen in Lissabon die Teams von England und Frankreich aufeinander – eine brisante Begegnung, die es nicht nur sportlich in sich hat. Die portugiesische Polizei entschied sich für eine alternative, man könnte sogar sagen, holländische Strategie: Die englischen Fußballfans sollen in Ruhe ihre Haschisch-Joints rauchen dürfen; ihre alkoholisierten Kollegen dagegen müssen damit rechnen, dass man hart gegen sie durchgreifen und sie notfalls aus dem Stadion fernhalten wird.

Dope-Raucher brauchen nichts zu fürchten. Die portugiesische Polizei, unterstützt von einem Aufgebot britischer Beamter, wird beide Augen zudrücken und die Haschisch-Konsumenten weder verhaften, verwarnen, noch ihren Drogenvorrat konfiszieren. Dahinter steht die Einsicht, die erfahrene Beamte schon lange gewonnen haben: Dope, ob als Gras oder Haschisch konsumiert, hat in aller Regel einen erfreulich pazifizierenden Effekt. Kampfbereite junge Männer verwandeln sich in friedliche Lämmchen. Eine Erkenntnis, die seit langem schon aus der Musikszene vertraut ist: Wo am Rande von Rockkonzerten Bier konsumiert wird, rechnet die Polizei mit Prügeleien und Ausschreitungen. Handelt es sich dagegen um eher psychedelisch orientierte Musik, zu der das Publikum den passenden Drogen zuspricht, geht es friedlich zu.

Diese Erkenntnis übertrugen die stets bewundernswert pragmatisch-realistischen Holländer auch auf den Fußball. Bei der letzten Europameisterschaft, die in Belgien und den Niederlanden stattfand, ist der Beweis für die These erbracht worden. Die holländische Polizei untersagte den Verkauf und Verzehr von starkem Bieres, erlaubte dagegen den öffentlichen Genuss von Marihuana. Die englischen Anhänger waren zu stoned um zu kämpfen. In Belgien dagegen, wo Haschisch strikt verboten ist, dafür aber das gute starke Bier in Strömen floss, kam es zu wilden Gefechten zwischen rivalisierend Fans und der Polizei.

Die Portugiesen haben das offenkundig nicht vergessen. Wofür sie ein Kompliment verdienen. In diesen Zeiten wachsender Desillusionierung mit Europa und seinen Institutionen ist es erfreulich, dass zumindest die Polizeikräfte bereit sind, von den Erfahrungen anderswo zu lernen. Und sei es nur über die soziale Wirkung einer Droge wie Marihuana.