musikindustrie Im Sog von Apple

Online-Musikladen kommt nach Europa

Die Soulsängerin Alicia Keys sang am vergangenen Dienstag für den Computerkonzern Apple und seinen iTunes Music Store, der seither auch in Europa online ist. „The night time is the right time to listen to iTunes“, texte sie und flocht in ihre Hommage an den gerade verstorbenen Ray Charles die große Hoffnung der Musikindustrie mit ein: Dass bezahlte Downloads aus dem Internet eine erfolgreiche Alternative zur Musikpiraterie werden.

Steve Jobs, Apple-Gründer und Vorstandschef, konnte mit stattlichen Zahlen aufwarten: 85 Millionen Songs zum Preis von jeweils 99 US-Cent hat Apple bislang in den USA verkauft und damit nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 70 Prozent. In nur einem Jahr hat er der Musikindustrie gezeigt, wie man im Internet Musik verkaufen und damit Geld verdienen kann.

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Dieser Umstand könnte für die Bertelsmann Music Group (BMG) und Sony Music zu einem Hindernis für ihre geplante Fusion werden, die noch von den EU-Wettbewerbshütern geprüft wird. Die Konzerne argumentieren: Unter der Musikpiraterie im Internet würden vor allem die internationalen Stars leiden, die in der Regel von den großen Konzernen vermarktet würden. Letzere würden also besonders geschwächt, was sie zwinge zu fusionieren. Aus dem Umfeld der Wettbewerbsbehörden war allerdings zu hören, dass man dieser Argumentation nicht folge. Anfang der Woche versuchten die Konzerne in einer Anhörung die Marktkontrolleure doch noch zu überzeugen.

Ungeachtet dessen bietet Apples Online-Musikladen in Deutschland, Großbritannien und Frankreich – andere Länder folgen später im Jahr – die gesamten 700000 Songs des iTunes-Repertoires für jeweils 99 Cent an. Diesen Preis hatten die Plattenlabels bisher als ruinös bezeichnet.

Diverse Online-Angebote der Musikindustrie und der Telekom hatten bisher keinen Erfolg. Die Gründe sind vielfältig: zu hohe Preise, zu kleines Repertoire, schlechte Handhabbarkeit und ein zu restriktives „Digital Rights Management“, das unter anderem die Zahl der Kopien begrenzt, die ein Nutzer machen darf. Und so hält Steve Jobs auch nicht die anderen Online-Dienste für seine Konkurrenz, sondern die illegalen Tauschbörsen, die trotz aller juristischen und publizistischen Kampagnen der Industrie weiter florieren. Über 600 Millionen Songs haben deutsche Computernutzer 2003 illegal aus dem Netz geladen. Jobs gibt freimütig zu, es selbst schon einmal „ausprobiert“ zu haben, und setzt auf Überzeugung statt auf Kriminalisierung: „Man muss diese Piraterie verstehen – und man muss ein besseres Produkt anbieten.“

Illegale Musik-Sauger investieren oft Stunden in den Download eines Songs, um dann, wenn es endlich geklappt hat, eine eventuell unvollständige Version mit schlechter Klangqualität auf der Festplatte zu haben. Apple setzt dagegen auf sein Programm iTunes, das längst auch auf Windows-Computern läuft, mit dem der Nutzer neue Songs mit einem Klick kauft und sie damit direkt in seine „Jukebox“ lädt, in der sie in friedlicher Koexistenz mit der traditionellen CD-Sammlung und eventuellen illegalen MP3-Kopien leben. Zwar haben auch die bei Apple gekauften Songs einen Kopierschutz, aber der ist relativ lax: Man darf beliebig viele Kopien auf CDs brennen oder auf den ebenfalls von Apple verkauften iPod-Player überspielen. Lediglich die Kopien auf anderen Computern werden auf sieben begrenzt.

Mit diesem Angebot wird Apple wohl auch diesseits des Atlantiks schnell zum Marktführer werden. Zumindest für einige Wochen. Denn im Juli will der japanische Sony-Konzern in den gleichen europäischen Märkten wie Apple einen vergleichbaren Dienst mit dem Namen Connect starten. Kombiniert werden soll er mit dem Vaio Pocket, einem dem iPod gleichwertigen Gerät, das sogar Videos abspielen können soll.

 
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