Ärzte unter Verdacht Experimente unter Narkose
Wer den Tipp gab, ist weiterhin unbekannt. Am Freitag vor zwei Wochen veranlasste die Gießener Staatsanwaltschaft eine Razzia in diversen Wohnungen und Kliniken. Kurz zuvor war durchgesickert, dass der Narkose-Chefarzt der Gießener Universitätsklinik, Gunter Hempelmann, und zehn weitere Narkoseärzte angeblich seit Anfang der neunziger Jahre bei Operationen heimlich Versuchsreihen mit Medikamenten vorgenommen haben sollen.
Jetzt überprüft die Staatsanwaltschaft, ob zwei Todesfälle in der Klinik mit den Studien in Verbindung stehen. Chefarzt Hempelmann wurde vom Dienst suspendiert. Dieser wies die Vorwürfe zurück: „Die Behauptung, dass jahrelang Experimente an nichtsahnenden Patienten durchgeführt worden seien, ist definitiv falsch.“
Die Ärzte sollen Kombinationen aus verschiedenen Arzneimitteln an Patienten ausprobiert haben, die unter Narkose standen. Dabei waren offenbar nicht die verabreichten Präparate schädlich, sondern die Methoden zur Bestimmung ihrer Wirkung. In einigen Fällen sollen Katheter gelegt worden sein, die für die Operation nicht notwendig gewesen wären. Weil Patienten während einer Operation ohne deren Wissen Blut für eine Pharmastudie abgenommen worden sein soll, will die Staatsanwaltschaft die Narkoseärzte wegen Körperverletzung mit Todesfolge belangen. hal
- Datum 17.06.2004 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 17.06.2004 Nr.26
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