Klartext vor dem Tod

Der Medizin-Ethiker Arnd T. May rät zu möglichst konkreten Patientenverfügungen

die zeit: Die Arbeitsgruppe des Justizministeriums konzentriert sich in ihren Empfehlungen auf die Selbstbestimmung am Lebensende. Warum war hier eine Klärung nötig, es gibt doch bereits viele Patientenverfügungen?

Arnd T. May: Vielleicht zu viele. Im Bochumer Zentrum für Medizinische Ethik haben wir die gängigsten der in Deutschland kursierenden Patientenverfügungen gesammelt und sind auf sieben DIN-A4-Ordner mit insgesamt 180 Varianten gekommen. Die Bandbreite reicht von der Ansteckplakette mit der Aufschrift „Keine lebensverlängernden Maßnahmen, kein Krankenhaus, keine Reanimation“ bis zu den mehrseitigen Verfügungen, die ausführliche medizinische Situationsbeschreibungen beinhalten.

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zeit: Woran kranken die meisten Verfügungen?

May: An zu allgemeinen und unklaren Formulierungen. Kein Arzt kann viel damit anfangen, wenn es heißt, der Patient wünsche „ärztlichen Beistand unter Ausschöpfung der angemessenen Möglichkeiten, solange eine realistische Chance auf ein erträgliches Leben besteht“. Was versteht der Patient unter erträglichem Leben? Was sind für ihn angemessene Möglichkeiten? Manche Patientenverfügungen machen zudem nicht deutlich, ab wann sie gelten sollen: bereits im Komazustand oder erst in der Sterbephase? Wird eine Vertrauensperson in der Verfügung benannt, bleibt mitunter offen, welche Befugnisse diese hat: Ist sie durch eine Vorsorgevollmacht beauftragt? Wird ihr weitgehend vorgeschrieben, wie sie in bestimmten Situationen zu entscheiden hat, oder hat sie einen größeren Spielraum?

zeit: Wie genau soll eine Patientenverfügung auf bestimmte Krankheitszustände eingehen?

May: Wenn jemand genaue Vorstellungen davon hat, in welcher Situation er zum Beispiel eine künstliche Ernährung wünscht oder nur Flüssigkeitszufuhr, wann er Antibiotika möchte oder keine, ob er im Krankenhaus sterben möchte oder unbedingt zu Hause, dann sollte er dies auch aufschreiben. Je konkreter die Verfügung gefasst ist, desto höher ihre Beweiskraft.

zeit: Weil man den Ärzten misstraut?

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