postbank Alarmstufe Gelb
Die Postbank will an die Börse – und verbreitet das Image einer gemütlichen Filialbank. Tatsächlich muss sie riesige Summen am Kapitalmarkt bewegen, um auf ihren Gewinn zu kommen
Wenn der Postbank-Chef sein Geldhaus beschreiben soll, zieht er gern einen Vergleich mit der Lebensmittelwelt. Die Postbank sei so etwas wie der Aldi der Finanzbranche, sagt Wulf von Schimmelmann dann: einfaches Sortiment, günstige Preise, beste Qualität – und, was die Geschäftszahlen betrifft, enorm erfolgreich.
Es ist die offizielle Geschichte, die Börsenstory, mit der Schimmelmann in diesen Tagen um neue Postbank-Aktionäre wirbt. Die wichtigsten Elemente dieser Geschichte sind 11,5 Millionen Privatkunden, fast 9000 Filialen und mehr als 350 Millionen Euro Gewinn allein im vergangenen Jahr. „Wir werden die einzige Retailbank an der deutschen Börse sein“, sagt der Vorstandschef. Soll heißen: Seht her, man kann auch in Deutschland mit kleinen Kunden noch große Erfolge einfahren.
Tatsächlich aber geht Schimmelmanns Aldi-Vergleich viel weiter, als dem obersten Postbanker lieb sein dürfte. Aldi sagen Eingeweihte von jeher nach, einen großen Teil des Gewinns nicht mit Tomaten und Kaffee zu machen, sondern damit, wie clever das Management am Kapitalmarkt agiert: Lieferanten werden erst spät bezahlt, das so gehortete Geld wird kurzfristig angelegt. Von diesen Gewinnen lässt sich gut leben.
Auch die Postbank lebt vor allem vom Geld ihrer Kunden, das sie am Kapitalmarkt anlegt. „Ich kenne kein vergleichbares Institut in Europa“, sagt ein hochrangiger Investmentbanker. „Provokant gesagt, ist die Postbank der größte Investmentfonds der Republik.“
Der größte Gewinnfaktor heißt Loukas Rizos
Weil jeder Fonds aber nur so gut ist wie sein Fondsmanager, ist Loukas Rizos für die Postbank so wichtig. Der 48-jährige Grieche verantwortet im Vorstand des Instituts die Finanzanlagen. Er ist gelernter Ingenieur. Einer, der sich früher mit Strömungslehre beschäftigte und heute mit Cashflow. Rizos kennen in Frankfurt nur die Spezialisten der Geldszene; die große Bühne ist ihm zuwider, ein Interview gab er noch nie. Die Zurückhaltung des Händlers entspricht dem Image, das die Postbank vermitteln will: Denn folgt man den offiziellen Zahlen, liefert das Filialgeschäft rund 65 Prozent des Vorsteuergewinns.
Doch wie aussagekräftig ist eine Segmentrechnung, in der Controller die Zahlen ganz leicht hin und her schieben können? Bei einem Blick auf die Ertragsanteile wird klar: Es sind Chefhändler Rizos und sein 350 Mitarbeiter starkes Team, die den Großteil des Postbank-Gewinns liefern – mindestens 60 Prozent. Loukas Rizos, sagt der Aktienchef einer Frankfurter Bank, „ist der wesentliche Faktor in der Erfolgsgeschichte der Postbank“.
- Datum 17.06.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 17.06.2004 Nr.26
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