In manchen Augenblicken sieht die französische Tänzerin Sophiatou Kossoko der amerikanischen Freiheitsstatue ähnlich: ausgestreckter Arm, sternförmige Frisur. Während die Ähnlichkeiten sich leicht aufzählen lassen, ist Sophiatou Kossoko selbst – geboren in Nigeria, Kind politischer Flüchtlinge – viel schwerer zu beschreiben. Zwei Frauen, zwei Ikonen, aber was genau ist an der je anderen anders? Wenn man die Verschiedenheit der Kulturen diskutiert, läuft man unweigerlich in die Falle des Vergleichs. Amerika und Afrika. Das Vertraute und das Exotische. An der Befreiung aus diesem Dilemma arbeitet das Berliner Haus der Kulturen der Welt schon seit Ende der achtziger Jahre. Mit Ausstellungen, Kongressen, Konzerten und dem kontroversesten deutschen Festival für internationale Bühnenkunst hat es die Präsenz des "Anderen" so gestärkt, dass von dessen Anderssein nicht mehr ständig die Rede sein muss. Die elaborierte Debatte wird nun, anhand der darstellenden Kunst, in einem opulenten Katalog dokumentiert: The Third Body bietet neben politischer Theorie viele ästhetische Aufsätze, etwa über indisches Theater oder Einzelproduktionen aus China, Mexiko, Vietnam… Wie man zwischen Afrika und Amerika, Eurozentrismus und Kosmopolitismus den idealen Standpunkt findet, wird nicht abschließend geklärt, aber am Haus der Kulturen, Berlin-Tiergarten, weiß man garantiert mehr darüber als im nahe gelegenen Bundestag. E.F.

The Third Body. Das Haus der Kulturen der Welt und die Performing Arts

Konzept von Johannes Odenthal und Carola Dürr; dt.-engl. Ausgabe; Verlag Theater der Zeit, Berlin 2004; 191 S., 12,50 Euro