Einer hatte es vorher gewusst. "Wir haben bereits Mitte vergangen Jahres gesagt, dass diese Technik die Belastungen auf hoher See nicht aushält", sagt Peter Weißferdt, Technischer Geschäftsführer des geplanten Windparks Butendiek in der deutschen Nordsee. Verhindert hat die Warnung nichts: Die feuchtsalzige Seeluft hat dem größten Offshore-Windpark der Welt in Horns Rev vor der dänischen Nordseeküste derart zugesetzt, dass nun alle 80 Windräder abgebaut und an Land repariert werden müssen. Für den Hersteller der Windräder, die dänische Vestas A/S, ist das eine Horrormeldung.

Doch nicht nur Vestas, die gesamte Windbranche steht unter Schock. Weil in Deutschland und Dänemark der Platz an Land knapp geworden ist, liegen die Standorte der Zukunft auf dem Meer. Deshalb müssen Firmen wie Vestas oder die deutsche Enercon dort erfolgreich sein. Das Projekt Horns Rev mit 80 Meter hohen Maschinen in den Nordseewellen sollte ein Schritt zum großen Offshore-Boom sein.

Tatsächlich gruseln sich vor dem technischen Sprung selbst Brancheninsider. "Wir haben mit der Windkraft an Land eine gute Chance, die Energiewende einzuleiten. Das dürfen wir nicht durch unkalkulierbare Risiken zerstören", warnt Enercon-Chef Aloys Wobben in der Fachzeitschrift Neue Energie.

Genau dazu könnte sich aber das Malheur von Horns Rev auswachsen. "Die Bedeutung dieser Schäden ist hoch", sagt Ralf Peters, Sprecher des Windrad-Produzenten Nordex AG in Hamburg. Banken und Versicherungen seien ohnehin sehr zurückhaltend bei der Finanzierung der Hunderte Millionen Euro teuren Offshore-Projekte.

"Das ist ein großes Problem", heißt es auch im Hause eines dänischen Windparkversicherers. Die Versicherer hätten zwar mit Kinderkrankheiten gerechnet. Aber die Ausfälle häuften sich. Tatsächlich brach in den vergangenen Monaten ein Feuer im Maschinenhaus eines Rotors vor Schwedens Küste aus, vor englischen Gestaden riss ein Stromkabel, und schon 2001 mussten zwölf Transformatoren in einem Ostsee-Windpark ausgetauscht werden. "Mit so vielen Schäden haben wir nicht gerechnet", sagt der Däne. Die Konsequenz: Einige Versicherungen würden aus dem Offshore-Geschäft aussteigen.

Die Probleme der Vestas-Anlagen in Horns Rev wurden durch die aggressive Nordseeluft verursacht. Seit dem vergangenen Sommer hätten die Rotoren vor der dänischen Küste Strom unter Volllast produzieren sollen, sagt Flemming Thomsen, Direktor des Stromversorgers Elsam A/S, der den Windpark betreibt. "Zuerst hatten wir Probleme mit den Transformatoren, jetzt auch noch mit den Generatoren." Der Windpark habe dadurch nur etwa 80 Prozent des erhofften Stroms produziert. Sämtliche Maschinenhäuser auf den 80 Meter hohen Stahltürmen müssen nun abgebaut und an Land repariert werden.

Vestas-Chef Svend Sigaard schiebt die Probleme auf Produktionsfehler eines Zulieferers: Die Transformatoren seien derart schlecht isoliert gewesen, dass die Salzluft Kurzschlüsse in Umspannern verursacht habe. Auch bei den Generatoren, den Stromerzeugern, sei die Isolation mangelhaft.

Offiziell schweigt der Zulieferer ABB AG dazu. Aus Branchenkreisen ist allerdings zu hören, dass man nicht gewusst habe, unter welchen Bedingungen die Anlagen arbeiten würden. Während sich die Betreiberfirma Elsam keine Sorgen um die Folgen des Wind-Desasters machen muss (Thomsen: "Wir werden gut entschädigt."), streiten Vestas und ABB darüber, wer den Schaden schultert. Die Reparaturkosten werden auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Ohne die Entschädigung für die Produktionsausfälle, die Vestas an Elsam zahlen muss.