justiz Der Kinderschänder Dutroux ist schuldig

Das Urteil in Belgiens aufsehenerregendstem Prozess ist gefallen

Schuldig in fast allen Belangen. Die zwölf Geschworenen des Schwurgerichts im belgischen Arlon haben keinen Zweifel, dass Marc Dutroux gemordet, vergewaltigt, gekidnappt hat, in mehreren Fällen. Zusammen mit den drei vorsitzenden Richtern wird die Jury jetzt in den kommenden Tagen das Strafmaß festlegen. In den Augen von Bürgern wie Beobachtern des Verfahrens kann das nur eine lebenslange Haftstrafe bedeuten.

Michelle Martin, zur Tatzeit 1995 die Ehefrau von Dutroux, wurde schuldig befunden, an der Entführung und Freiheitsberaubung von sechs Mädchen beteiligt gewesen zu sein. Erschwert wird das Urteil durch Morddrohungen Martins gegenüber vier der Mädchen. Die achtjährigen Julie und Melissa verhungerten im Kellerverlies der Dutroux’, die Hauptschuld daran trägt für die Jury Michelle Martin, ohne dass ihr das aber als Mord angelastet würde. Sie ebenso wie der dritte Hauptangeklagte Michel Lelièvre werden zudem der Mitgliedschaft an einer Verbrecherbande für schuldig befunden. Lelièvre wird außerdem wegen Menschenhandel, Entführung und Freiheitsberaubung verurteilt. Er soll in zwei Fällen die entführten Kinder gefoltert haben, was zum Tod der damals 17jährigen An Marchal und ihrer 19jährigen Freundin Eefje Lamrecks geführt hat.

Dem vorbestraften Mitangeklagten Michel Nihoul, ein zwielichtiger Brüsseler Geschäftsmann, konnte dagegen nach Ansicht der Geschworenen eine Mittäterschaft an den Entführungen nicht nachgewiesen werden. Ihr Urteil fiel denkbar knapp aus, sieben Stimmen gegen fünf. Nach belgischem Recht müssen in solchem Fall die drei Berufsrichter den Ausschlag geben. Nach weiterer Beratung überstimmten die Richter die Geschworenen im Fall Nihoul. Er ist weder Täter noch Komplize. Übrig bleibt allein der Anklagepunkt, der den 63jährigen Nihoul als einen Bandenchef sieht, der mit Rauschgift handelte.

Michel Nihoul war also nach Ansicht der Geschworenen die oft unterstellte Zulieferrolle für ein weit gespanntes Netzwerk von angeblich prominenten Pädophilien und Perversen nicht nachzuweisen. Die Geschworenen bestätigten damit den Prozessverlauf. Mehrfach hatten die Anwälte von Marc Dutroux mit ihrer Theorie von Dunkelmännern und Strippenziehern ihren Mandanten nur als kleines Rad im großen Getriebe hinzustellen versucht.

Die nie bewiesene Vermutung vom landesweiten Netz des Bösen hatte Mitte der neunziger Jahre und noch lange danach in Belgien zahlreiche Anhänger gefunden. Auch wenn die Zweifler selbst nach dem Urteil nicht verstummt sind: Der Prozessverlauf sprach eine andere Sprache. Es gab damals tatsächlich einen Verbrecherring. Er bestand aus drei Personen – Marc Dutroux, Michelle Martin, Michel Lelièvre.

Marc Dutroux wird dafür jetzt vermutlich für immer hinter Gittern wandern. Michelle Martin und Michel Lelièvre droht eine 30jährige Gefängnisstrafe. Ihre verbrecherischen Umtriebe kosteten vier Kinder und ihren Komplizen Bernard Weinstein, von Dutroux ermordet, das Leben. Das steht nach achtjähriger Untersuchung und vierzehn Wochen Prozess jetzt fest.

 
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