porträt „Machet keine Dummheiten, während ich todt bin“Seite 5/5
Dem Armensarg folgten mehr als 10.000 Menschen auf den Döblinger Friedhof, nahe den grünen Hängen des Wienerwalds. „Plötzlich“, so berichtet Stefan Zweig, „kamen auf allen Bahnhöfen der Stadt, mit jedem Zug bei Tag und Nacht aus allen Reichen und Ländern Menschen gefahren, westliche, östliche, russische, türkische Juden, aus allen Provinzen und kleinen Städten stürmten sie plötzlich herbei, den Schreck der Nachricht noch im Gesicht. Es war ein endloser Zug. Mit einmal merkte Wien, dass hier nicht nur ein Schriftsteller gestorben war, sondern einer jener Gestalter von Ideen, wie sie in einem Land, in einem Volk nur in ungeheuren Intervallen auftreten.“
Von Herzls Verhandlungen mit England führte ein direkter Weg zur Balfour-Deklaration des Jahres 1917, zum britischen Palästina-Mandat und zum UN-Teilungsplan 1947 mit der anschließenden Ausrufung des Staates Israel durch David Ben Gurion. Testamentarisch hatte Herzl verfügt, seine Gebeine nach Palästina zu überführen, sobald das große Ziel erreicht sei. 1949 dann wurden seine sterblichen Überreste auf einem nach ihm benannten Berg in Jerusalems Neustadt beigesetzt. Von der Grabstelle aus geht der Blick weit ins Land, in die Wüste Judäa und hinüber ins Westjordanland – wo heute ein anderes Volk von seinem eigenen Staat träumt.
Der Autor ist Historiker und lebt in Duisburg. Wer den Feuilletonisten Herzl kennen lernen möchte, sei auf die Auswahl seiner Texte hingewiesen, die Marcus G. Patka jetzt im Wiener Picus Verlag herausgebracht hat: Theodor Herzl, „Die treibende Kraft“, Feuilletons; 142 S., 16,90 Euro
- Datum 24.06.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 24.06.2004 Nr.27
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