Der makellose Sommerhimmel ist der Feind des Hymnikers. "... die Wolken / Neigen sich der sehnenden Liebe, / Mir, mir! / In eurem Schoße / Aufwärts, / Umfangend umfangen!", rief Goethe in Ganymed. Die Wolken erst machen den Himmel erstrebenswert, kunstwürdig, wie die Doppelausstellung Wolkenbilder.

Die Entdeckung des Himmels im Hamburger Bucerius Kunst Forum und im Jenisch-Haus zeigt (bis zum 5. September). Von den Haufenwolken des Spätbarock, auf denen die Heiligen durcheinander purzeln, führt sie federleicht und elegant zu den strengen Formstudien von Hodler und Mondrian, die hoch droben keinen Gott mehr erkennen, sondern nur noch Rhythmen der Natur. Die Geschichte der Wolkenmalerei ist auch eine der Emanzipation von den starren Regeln akademischer Kunst. Als Inbegriff des Formlosen, Unfassbaren, der Freiheit also hatten die Wolken im Kosmos klassischer Schönheitsideale lange keinen Platz. Erst um 1800 in Rom nahm man sich ihrer an, insbesondere in Form von Ölskizzen - das neue, spontane Medium entsprach dem Flüchtigen des Gegenstands. In der intimen Form gestatteten sich die Künstler eine Kühnheit, die ihren Gemälden noch lange abgehen sollte. So hat Carl Blechens Blau-violetter Wolkenstrich von 1829 bereits einen Abstraktionsgrad erreicht, über den auch Emil Nolde in seiner Lichten Meerstimmung mehr als siebzig Jahre später noch nicht hinaus ist. Im Zentrum der Ausstellung stehen drei Typen von Hans Guckindielufts: der Empiriker Constable mit exakten Studien - der Visionär Turner, der in seinen himmlischen Farbexplosionen die Energie als Grundkraft aller Dinge suchte - schließlich der Romantiker Friedrich, der von der Transzendenz des Himmels nicht lassen wollte - für ihn war Wolkenmalen Gottesdienst. Ein strahlend blauer Sommerhimmel ist von ihm nicht überliefert.