BELLETRISTIK

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Aglaja Veteranyi: Das Regal der letzten Atemzüge - Roman - dtv, München 2004 - 132 S., 8,50 e

Eine junge Frau, eine ältere Frau, zwei, die sich dem Tod nähern. "Der Rand der Tante war schon weggegangen. Aus ihrer Brust drang Wärme. Sie zog mich.

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Ich legte Brust auf Brust ..." Dies ist ein Buch aus dem Nachlass von Aglaja Veteranyi, die in Bukarest geboren wurde, ein Zirkuskind, dann Flüchtling in Zürich, Schauspielerin, Autorin des wundervollen Romans Warum das Kind in der Polenta kocht. 2002 hat sie, mit 40 Jahren, den Tod gewählt, was aus diesem kleinen Buch eine Art von Abschiedsbrief macht, der den Erinnerungen an die geliebte Tante folgt und dabei das eigene Leben erzählt, eine Familiensaga also, in Bruchstücken vorgetragen in der Tonart eines grausamen und mu tigen Kinderreims.

Otto de Kat: Mann in der Ferne - Roman - aus dem Niederländischen von Andreas Ecke - Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2003 - 95 S., 14,90 e

Ein Sohn sucht in seinem Leben nach den Spuren des Vaters. Eine Reflexion, die von weit gestreuten Orten aus - New York oder Budapest, Den Haag oder Zürich - zur Kindheit in Holland mäandert und im Dunkel der Vergangenheit Gesichtszüge aufspürt oder Szenen der Begegnung. Erinnerungen tauchen auf wie jener endlose Flug über die vereisten Grachten: Vater und Sohn, mit ihnen der Bruder, alle drei sich im mühelosen Wechsel den Weg ins Ungewisse zeigend.

Weil das Leben aber so nicht ist, findet der Erzähler nur, was ihm entflieht, nämlich sich selbst. Ein Buch, das man, gefangen in einer kostbaren Endlosschleife, immer und immer wieder lesen könnte.

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