Die Sache hat nur einen Haken. "Es gibt da ein Imageproblem", sagt Marc Clausen. "Man kann in der Disco keine Frau beeindrucken." Der 22-Jährige besucht die Fachhochschule für Allgemeine Verwaltung, gerade hat er ein Praktikum beim Bezirksamt Hamburg-Mitte absolviert. Sein Berufsziel? "Ich will Beamter werden."

Beamter? Die packen doch morgens als Erstes die Frühstücksstulle aus und putzen dann den ganzen Tag die Blätter ihrer Zimmerpflanzen. Ärmelschoner, Aktenstaub, Dienst nach Vorschrift. Die allseits drohende Arbeitslosigkeit kann ihnen nichts anhaben, Sozialabgaben zahlen sie sowieso nicht. All das weckt Neid und mündet in die Frage: Machen sich die Beamten einen lauen Lenz auf unser aller Kosten?

Und: Brauchen wir sie überhaupt?

Nein, sagt der Hamburger Staatsrechtler Hans Peter Bull. Jedenfalls nicht in hergebrachter Form. Im Auftrag von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück hat Bull eine Kommission geleitet, deren Gutachten die Beamten-Funktionäre bundesweit empörte. Dennoch versucht jetzt eine Arbeitsgruppe in der Düsseldorfer Staatskanzlei, die Ergebnisse umzusetzen. Das Ziel: Irgendwann soll es im öffentlichen Dienst möglichst nur noch normale Arbeitsverträge geben, die auch eine Kündigung erlauben.

Der Beamte würde zum Auslaufmodell.

Auch in Berlin steht die Zukunft der Staatsdiener bereits auf der Tagesordnung. In der Föderalismus-Kommission wird der Bund den Ländern wohl mehr Freiheit geben im Umgang mit Beamten. Gleichzeitig ringt Innenminister Otto Schily mit dem Beamtenbund und der Gewerkschaft ver.di um neue Rahmenbedingungen im öffentlichen Dienst. Er wünscht eine leistungsbezogene Bezahlung und will die Altersversorgung von Wirtschaft und Staatsdienst kompatibel machen, damit die Mitarbeiter wechseln können. Die strengen Laufbahn-Vorschriften sollen fallen.

Bei alledem ist klar: Der öffentliche Dienst soll moderner werden. Für die Beamten stehen viele Änderungen an.

Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland sind Beamte. Sie bilden eine Gruppe, die auf Vorurteile stößt – und doch keineswegs homogen ist. Einfacher, mittlerer, gehobener, höherer Dienst: Die verschiedenen Laufbahnen sind gegeneinander abgeschottet und entsprechen höchst unterschiedlichen Lebensverhältnissen. Einen Gerichtsdiener trennen Welten vom hoch dotierten Ministerialdirigenten.