life science Alles können, auch kopieren

Bio-Tech-Unternehmen suchen Mitarbeiter, die sich auf vielen Gebieten auskennen. Doch gute Generalisten sind schwer zu finden

Es gibt die Großen wie Roche, Pfizer, Aventis. Das sind die Supertanker: kaum manövrierbar, unbeweglich. Bio-Tech-Unternehmen dagegen sind die kleinen Schnellboote der Pharmabranche: wendig, flexibel, rasant in ihrem Vorwärtsdrang. Dafür bekommen sie in schwerer See leicht mal Schlagseite.

Auch die Mannschaften an Bord unterscheiden sich: dort große, behördenhafte Personalapparate, klar abgegrenzte Zuständigkeiten und Dienstwege, hier wenige Mitarbeiter, flache Hierarchien, überlappende Zuständigkeiten. „Bei uns muss man sich auch mal selbst an den Kopierer stellen“, sagt Annette Erdmann, Personalleiterin beim Vorzeigeunternehmen MediGene in Martinsried bei München. Wobei Kopieren das geringste Problem sein dürfte: Mitarbeiter von Bio-Tech-Firmen müssen sich glänzend in Naturwissenschaften auskennen und zugleich fit sein in Patentrecht, Verträgen oder Finanzierungsfragen. „Was wir brauchen, ist der wissenschaftlich fundierte Generalist“, sagt Erdmann. „Die Mitarbeiter müssen die Auswirkungen ihres Handelns auf das Gesamtunternehmen im Blick haben.“

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Bei Bio-Tech-Firmen tragen viele Berufe denn auch klangvolle Namen wie Business Developer oder Manager Regulatory Affairs. Ein Business Developer etwa kümmert sich um Kooperationen mit Forschungseinrichtungen oder anderen Firmen und organisiert die „Produktpipeline“ des Unternehmens. Dafür braucht er neben fundierten naturwissenschaftlichen Kenntnissen auch juristische und kaufmännische Fähigkeiten. Der Manager Regulatory Affairs wiederum stellt Dossiers für die behördliche Zulassung von Medikamenten zusammen oder für die Erneuerung von Lizenzen. Er begleitet ein Produkt bis zur Marktreife. Dafür muss er neben dem Forschungsstand die internationalen Zulassungsregeln kennen.

Typische Schnittstellenberufe, für die übergreifende Fähigkeiten gefragt sind. Doch genau die sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt Mangelware. „Die Universitäten bilden nicht passgenau aus“, sagt Dieter Schade, Personalchef der Münchner Bio-Tech-Firma Micromet AG. Durch Coachingprogramme und Weiterbildungskurse versucht Micromet, den Mangel auszugleichen. „Es wäre zielführender, wenn die Leute add-ons von der Uni mitbrächten“, sagt auch Annette Erdmann. Von Gemischtwaren-Studiengängen, etwa zum „Bio-Tech-Fachwirt“, einer Verknüpfung von Bio-Tech und Betriebswirtschaft, hält sie aber weniger. Dafür sei der Bedarf in der Branche doch zu gering. Besser wären ergänzende Module, die Studenten nach einem Fachstudium draufsatteln könnten. Vor allem gehe es aber darum, eine andere Denkweise zu erlernen: „Unsere Mitarbeiter müssen kleine Unternehmer sein.“ Der klassische Untergebene sei ebenso fehl am Platz wie der Grundlagenforscher, der nicht an die unternehmerische Verwertbarkeit denkt.

Jens Hennecke, 36, ist Business Developer bei Micromet. Der promovierte Biochemiker ist froh, „eine sehr gute wissenschaftliche Ausbildung zu haben“. Was er sonst noch für seinen Beruf braucht, hat er bei Micromet gelernt. Jetzt reist er um die Welt und knüpft Kontakte für sein Unternehmen. Medikamente, die man nicht allein erforschen, entwickeln oder verkaufen kann, werden an Partner „auslizensiert“, andere ins Portfolio „einlizensiert“. Ein Job voller Schnittstellen.

Die Vorhaltungen der Branche sind für Frank Strathmann von der Technologietransferstelle der Universität München nichts Neues. „Klagen über die angebliche Dominanz der Grundlagenforschung gegenüber der angewandten Forschung hören wir seit Jahren.“ Dabei gebe es eine breite Palette an Weiterbildungsangeboten neben dem Studium. Strathmann rät Studenten, ihr Fachstudium normal durchzuziehen und im Hauptstudium Zusatzkurse zu belegen. Doch viele wüssten nichts von den Kursen: „Man muss sich schon selbst darum kümmern.“ Einigen werde ihr Defizit in angewandter Forschung erst nach dem Studium bewusst. Wenn sie schon im Schnellboot sitzen.

 
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